POTSDAM / INNENSTADT - Am ersten Arbeitstag nach seiner Israel-Reise hat Oberbürgermeister Jann Jakobs gestern seinen Baubeigeordneten Matthias Klipp gerüffelt. Wie berichtet, war in Abwesenheit des Rathauschefs zwischen Klipp und der Kulturbeigeordneten Iris Jana Magdowski offen der Streit um die Zukunft der Stadt- und Landesbibliothek ausgebrochen. Klipp hatte angeregt, den Standort der Bibliothek vor deren Sanierung zu prüfen, nachdem die FDP die Verlagerung auf das Areal des früheren Palasthotels vorgeschlagen hatte.
Jakobs bezeichnete diese Haltung kurz vor Baubeginn als „verantwortungslos“. Demokratische Entscheidungen würden damit in Frage gestellt, erklärte er gestern nach einem Gespräch mit beiden Ressortchefs. „Ein Neubau in dieser Größenordnung im Herzen der Stadt ist in absehbarer Zeit an einem anderen Standort für das jetzt geplante Geld nicht zu realisieren“, sagte Jakobs. Er erinnerte an die jahrelangen Standortprüfungen, den Beschluss von 2005 zu Sanierung und Umbau des Hauses am Platz der Einheit und an das Konzept eines „Wissensspeichers“ durch Vernetzung mit der Volkshochschule. „Die Nutzer der Bibliothek dürfen mit Recht eine verlässliche politische Entscheidung einfordern“, sagte er.
Dagegen erklärte Architekturprofessor Ludger Brands von der „Potsdam School of Architecture“, Machtworte seien „Ausdruck von Hilflosigkeit und mangelnder Weitsicht“. Er schließt sich dem Vorschlag der FDP-Fraktion für den Umzug der Bibliothek an die Alte Fahrt an. Man könne den „prominenten Ort“ in Bahnhofsnähe mit einem Bibliotheksneubau, der im Erdgeschoss kommerzielle Nutzungen wie Restaurant oder Literaturcafé hätte, besetzen. Brands unterstützt auch die Idee der Initiative „Mitteschön“, das erste Segment des Bibliotheksplattenbaus am Platz der Einheit abzutragen. Zusätzlich verlangt er die „Überprüfung der Gebäudehöhe“. Ziel ist die Rücknahme des Hauses auf die historische Bauflucht und eine Höhenanpassung an Barockhäuser, die erst noch rekonstruiert werden sollen.
Die CDU/ANW-Fraktion stellt sich auf die Seite des Oberbürgermeisters. Die Rücknahme der Fassade würde 1500 Quadratmeter Bibliotheksfläche kosten. Hinzu komme, dass die vom Land bereitgestellten Hauptstadtmittel zur Sanierung der Bibliothek nur bis zum Jahr 2011 zur Verfügung stünden und zu verfallen drohten. (Von Volkmar Klein)