POTSDAM / EICHE - Mit der Bitte um Streichung des sozialtherapeutischen Zusatzprojektes zum neuen Tierheim in Eiche wendet sich eine Initiative von Müttern des Ortsteils in einem Bittbrief an den Oberbürgermeister und den Hauptausschuss. Die 52 Unterzeichnerinnen, die nach eigener Auskunft zusammen 118 Kinder haben, gaben den Brief gestern im Rathaus ab. Sie befürchten, dass durch das Projekt die Sicherheit ihrer Kinder beeinträchtigt wird, schreiben von „hochgradig gefährdeten Jugendlichen, vor allem jungen Männern“ und haben Sorge, dass diese nicht nur im Tierheim beschäftigt werden, sondern möglicherweise auch in der Nähe wohnen. „Diese Jugendlichen werden nicht ständig so betreut werden können, dass ihr Abtauchen im Wald ausgeschlossen ist“, heißt es weiter. Detailliert malt der Brief die befürchteten Folgen aus: Verantwortungsbewusste Eltern würden ihre Kinder nicht mehr allein in den Wald lassen, Joggerinnen und Spaziergängerinnen den Wald meiden. Wenn dann viele wegzögen, würde die Stadt diesen Familien die Umschulung sowie den Verlust des Freundeskreises und des sozialen Umfeldes aufbürden. Sozial auffällige Jugendliche wie Obdachlose, Schulverweigerer und Drogenabhängige sollten fernab von Wohngebieten betreut werden. Neben der Bitte, dies alles zu berücksichtigen, kündigen die Unterzeichner an, sich nicht auf Beschwichtigungen und Vertröstungen einzulassen, schließlich gehe es um die Unversehrtheit ihrer Kinder. Ein Mitglied des Vereins „Mensch und Tier“ fragte zudem, ob es günstig sei, „kaputte“ Menschen mit „kaputten“ Tieren zu heilen.
Ein Teil dieser Bedenken war bereits bei der hochemotionalen Bürgerversammlung am Montag vor einer Woche zur Sprache gekommen. Die zuständige Sozialbeigeordnete Elona Müller hatte dort jedoch versichert, dass die Jugendlichen keineswegs auf dem Gelände übernachten, ebensowenig in Eiche selbst, sondern täglich mit dem Bus zum Tierheim gebracht und auch wieder abgeholt werden. Außerdem handele es sich weder um gewaltbereite noch um straffällig gewordene junge Menschen oder solche mit Drogenabhängigkeit.
Auch ohne den Bittbrief ist das Projekt in Eiche umstritten: Anwohner befürchten Lärm und Verkehr. Die Entscheidung, wer das Haus baut und betreut, soll am Mittwochabend im Hauptausschuss getroffen werden – dort steht die Vergabe nach einer europaweiten Ausschreibung an. Grüne und CDU haben ihre Zustimmung bereits angekündigt, auch wenn beide betonten, man wolle noch einmal auf die beunruhigten Anwohner eingehen. SPD und FDP verwiesen auf letzte Abstimmungen in ihren Fraktionen, wollen im Prinzip aber ebenfalls zustimmen. Nur die Linke ist nach den Protesten schwankend geworden. Sie stellt mit Ralf Jäkel dort den Ortsvorsteher. (Von Jan Bosschaart)