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24.11.2009

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ZEITGESCHICHTE: Zur Strafe in die Kali-Grube

Wissenschaftler erzählt Schülern über sein DDR-Leben

POTSDAM / INNENSTADT - Zunächst hatte Friedrich Donepp vor, leidlich seinen Weg im „Arbeiter- und Bauernstaat“ zu gehen: Als Ingenieurs-Sohn konnte er nur über Umwege eine Oberschule besuchen. Studieren darf er nur, wenn er sich zwei Jahre zur 1956 gerade gegründeten Nationalen Volksarmee verpflichtet. Donepp willigt ein. Doch als er noch ein paar Jahre dranhängen soll, begehrt er auf. Er wird strafversetzt, nach der Entlassung verweigern die Entscheider ihm den versprochenen Studienplatz. Der Groll wächst. Donepp sucht sich in Potsdam eine Lehrstelle beim Meteorologischen Dienst auf dem Telegrafenberg. Im eher staatskritischen Klima dort fühlt er sich aufgehoben. Er will seine Ausbildung noch abschließen und dann zu den westdeutschen „Wetterfröschen“ nach Frankfurt/Main übersiedeln. Doch der Mauerbau durchschneidet die angedachte Lebenslinie. Obendrein gerät Donepp in Berlin unfreiwillig in Proteste gegen die Mauer. Er wird von FDJ-Ordnungsgruppen verprügelt. Wieder daheim, grämt er sich: „Jetzt bist Du doch zu lange geblieben.“

Die Idee, die US-Militärmission in Neu Fahrland um Fluchthilfe zu bitten, kann Donepp schnell in die Tat umsetzen. Beim Paddeln vor Ort spricht er amerikanische Wachsoldaten am Ufer an. Doch die DDR-Staatsorgane beobachten alles und nehmen Donepp fest. „Ich war zu naiv, natürlich wurde alles überwacht“, sagt Donepp. Es folgen wochenlange Stasi-Verhöre in der Lindenstraße 54, Einzelhaft und Kontaktsperre zu den Eltern. „Ich wurde bis zu acht Stunden täglich vernommen“, erinnert sich Donepp. Konsequenz: ein Jahr Haft. „Anklageschrift und Urteil habe ich vor der Wende nie in die Hand bekommen“, sagt Donepp.

Seine Strafe leistet er im Kali-Bergbau ab: 40 Mann leben in einem Raum, Sexualstraftäter dürfen als Barackenälteste die zumeist politischen Häftlinge dirigieren. Nach der Entlassung folgt dennoch ein fast „normales“ Berufsleben. Donepp darf bei den Meteorologen seine Ausbildung abschließen, er heiratet, wird Vater einer Tochter. Die Haft bleibt ein Tabu-Thema.

Später absolviert er ein Direkt- und ein Fernstudium, wird Dozent. Als Experte für Datenverarbeitung erkennt Donepp die wirtschaftlichen Widersprüche der DDR. Er versucht, seine Studenten an der Berliner Humboldt-Universität dafür zu sensibilisieren. Vom Mauerfall 1989 erfährt Donepp erst am 10. November. „Wir haben in der Lehrveranstaltung alles liegen gelassen und sind nach West-Berlin gefahren. Abends sind wir privat über die Glienicker Brücke zwei Tage nach drüben gefahren.“ Seine Karriere konnte Donepp im „Westen“ fortsetzen: Bis zur Rente 2004 arbeitete er als Dozent an der Technischen Universität in Berlin. (Von Sven Rosig)


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