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24.11.2009

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VERKEHR: Knöllchenhauptstadt des Ostens

Potsdam liegt bei der Ausgabe von Strafzetteln für Falschparker selbst im Bundesvergleich weit vorn

Nach den Titeln für die familienfreundlichste Stadt, die besten Taxifahrer und die höchsten Mieten im Osten hat Potsdam nun einen neuen Rekord aufgestellt: Nirgendwo in Ostdeutschland bekommt man so viele Strafzettel wie in Potsdam – auf 100 gemeldete Autos kamen hier im ersten Halbjahr 2009 85 Knöllchen. Das genügt selbst bundesweit für einen respektablen 9. Platz unter den 78 Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern – überholt vorrangig von Metropolen wie Berlin (86 Knöllchen je 100 Autos), Frankfurt/Main (96) oder Köln (110). Einsamer Spitzenreiter hingegen ist das vergleichsweise kleine Offenbach, in dem mit 127 Knöllchen je 100 Autos statistisch jeder Autofahrer im ersten Halbjahr 2009 mehr als einmal Post von der Politesse unter dem Scheibenwischer fand. Die Zahlen ermittelte eine große Wochenzeitung.

Im Potsdamer Haushalt für 2009 sind 2,5 Millionen Euro Ertrag aus Bußgeldern eingeplant, von denen der Verkehr – und dort das falsche Parken – den Löwenanteil ausmacht. Enthalten sind allerdings auch die Erlöse aus Blitzer-Bescheiden und aus Verstößen gegen Grünflächensatzung und Stadtordnung.

Abzüglich aller Kosten – im Wesentlichen sind es Personalkosten – bleiben immer noch gut 1,6 Millionen Euro für den klammen Stadthaushalt übrig. Für das Jahr 2008 hat die Statistikabteilung der Landeshauptstadt sogar eine konkrete Zahl parat: 116 892 Knöllchen verteilten die Politessen an Potsdamer und ihre Gäste.

Selbstverständlich dienen diese Einnahmen nicht vorrangig dem Haushalt, sondern sind in der Haushaltssatzung einem viel höheren Zweck zugeschlagen: „Verringerung der Gefährdung aller Teilnehmer des öffentlichen Lebens durch präventive und erzieherische Maßnahmen“ steht dort als Ziel. Anders formuliert: Potsdam ist nicht die Stadt mit den meisten Knöllchen im Osten, sondern eine, in der alle Teilnehmer des öffentlichen Lebens durch präventive und erzieherische Maßnahmen am wenigsten gefährdet sind. (Von Jan Bosschaart)


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