POTSDAM / MARQUARDT - Die Rauchpause bot war die beste Gelegenheit, sich über das gerade Erlebte auszutauschen. „Mann, ist doch genauso wie früher“, ließ sich ein Mann glücklich strahlend vernehmen, um gleich darauf in ein fröhliches Kichern auszubrechen. „Ich freu’ mich am meisten auf Mückentötolin – das ist immer noch der beste“, setzte eine Zuschauerin ihre Hoffnung auf den zweiten Teil. Sie sollte nicht enttäuscht werden: Nach gut neunzig Minuten spielte man den Sketch.
Rolf Herricht und Hans-Joachim Preil gelten bis heute als bekanntestes Komiker-Duo der DDR. Fast drei Jahrzehnte traten die beiden mit den von Preil geschriebenen Sketchen auf. Das Schema war fast immer dasselbe: Naivling Herricht ließ sich vom Oberlehrer Preil die Welt erklären. Ganz egal, ob es sich um „indische Butter“ oder ähnliche Verwechslungen handelte. Dabei war durchaus einkalkuliert, dass Herricht die Herzen der Zuschauer zuflogen, weil der mit kleinen Spitzen gegen den großen Belehrer an seiner Seite verschmitzten Mutterwitz erkennen ließ. Aus dem spielerischen Umgang mit Worten, der aufbrausenden Art Preils und der treu-braven Attitüde Herrichts zogen ganze Generationen von Zuschauern ihr Vergnügen. Etwa, wenn die beiden eine Tigerjagd nachspielten: „Herr Herricht, die Raubkatze steht vor Ihnen und funkelt mit ihren Lichtern!“ Auf das Unverständnis in Herrichts Blick folgt die Erklärung Preils, dass der Jäger die Augen des Tiers als Lichter bezeichnen würde. „Aber das ist doch Quatsch“, hat der Naivling seinen Freund vermeintlich bei einem Fehler ertappt, „oder sagen Sie etwa ’Ich schließe meine Lichter’?“
Mit ihrem Sketch-Abend erinnerten die Uckermärkischen Bühnen Schwedt am Sonnabend in der Kulturscheune Marquardt auf angenehme Weise an das große Komiker-Duo. Udo Schneider schlüpfte in die Haut von Rolf Herricht, Gerd Opitz gab Hans-Joachim Preil. Vor rund 100 Gästen spielten sie Sketche wie „Hoppegarten“, „Der Tippschein“ oder „Die Briefmarke“ nach – klassisch, wie es die beiden bereits verstorbenen DDR-Komiker wohl auch gemacht hätten. Die dauer-glucksende Kulisse bewies, dass die einfache Inszenierung noch immer Wirkung entfalten kann.
Wenn man dem Abend unter der Regie von Peter Fabers überhaupt etwas vorwerfen kann, dann vielleicht, dass Schneider gelegentlich in seinem Spiel etwas lauter und extrovertierter war, als Rolf Herricht es jemals zugelassen hätte. (Von Sebastian Scholze)