POTSDAM / INNENSTADT - Unmöglich konnte der Oberbürgermeister unterwegs verschwunden sein. Seine Kutsche hatte auf dem Weg vom Stadthaus zum Luisenplatz im Rennen gegen Wolfgang Cornelius’ Draht-esel zwar das Nachsehen, doch der Chef der AG Innenstadt hatte das Stadtoberhaupt beim Überholen auf der Brandenburger Straße ja selbst gesehen. Könnte eine Vermisstenmeldung Aufklärung bringen?
Die Akteure des Kindermärchentheaters überbrückten das Warten auf eigene Art. „Manchmal geht ja auch der große böse Wolf um“, unkte die Prinzessin. Doch ehe sich die Nachricht von einem frei laufenden Isegrimm mit Appetit auf ostfriesische Sozialdemokraten verbreiten konnte, tauchte er auf. Letzterer natürlich.
Jann Jakobs schritt sogleich zur Tat, dankte der Bäckerinnung und schnitt kurzentschlossen an. Nach wenigen Minuten war der von der Konditorei Schröter gestiftete vier Meter lange Stollen an die Wartenden verteilt und der Weihnachtsmarkt in der Innenstadt offiziell eröffnet.
Kamen im letzten Jahr rund 900 000 Besucher, so hoffen Cornelius und Eberhard Heieck, Chef der beauftragten Firma Coex, in diesem Jahr die Grenze von einer Million knacken zu können. 140 Buden mit Geschenkartikeln, kulinarischen Spezialitäten und Weihnachtsschmuck warten auf Schlenderer. Eine der Buden wird der Künstlerin Carola Buhlmann kostenfrei zur Verfügung gestellt.
Die AG Innenstadt hatte eine Sammlung begonnen, nachdem die von Buhlmann geschaffene Figurengruppe „Familie Grün“, ein beliebtes Fotomotiv auf der Brandenburger Straße, während des letzten Weihnachtsmarktes schwer beschädigt worden war. Für den inzwischen neu geschaffenen und wieder aufgestellten Sohn hatten Cornelius’ Mitstreiter bisher 500 Euro zusammenbekommen. „Nun haben wir einen potenziellen Sponsor gefunden. Vielleicht können wir noch im Dezember die ganzen 3000 Euro zahlen“, sagte der Chef der AG Innenstadt froh.
Ein Höhepunkt des Weihnachtsmarktes ist die große Pyramide, die auf der Kreuzung zwischen Brandenburger und Lindenstraße steht. „Die ist nicht aus billigem Plastik, sondern aus echtem Eichenholz“, betonte Cornelius. Im Wechsel ihrer LED-Leuchten nimmt sie auch die blaue Farbe an, die die beherrschende Farbe in der Brandenburger und ihren Nebenstraßen sein soll.
Immer mehr Händler schmücken laut Heieck ihre Stände mit den Strom sparenden LED-Lichtern. Zum Wochenende soll die weihnachtliche Festbeleuchtung erstmals auch in der Gutenberg- und der Jägerstraße zu sehen sein. Wie im Jahr zuvor wird der Markt bis zum 27. Dezember geöffnet haben. Ausnahmen soll es laut Heieck nur am Heiligabend selber geben, dem Tag, an dem auch die meisten Besucher zu Hause bleiben.
Bereits bevor Jakobs den Stollen angeschnitten hatte, war mit einer kleinen Zeremonie vor dem Karstadt-Stadtpalais die dortige Festbeleuchtung eingeschaltet worden. Die Präsidentin des Handelsverbandes, Karin Genrich, sagte: „Wir sind sicher, dass Karstadt als Magnet der Innenstadt erhalten bleibt.“ Der Insolvenzverwalter des finanziell angeschlagenen Konzerns, Klaus Hubert Görg, hatte den Mietvertrag zum Jahresende gekündigt. Die Mieten seien zu hoch, so seine Begründung. Der Vermieter, die Esch-Immobiliengruppe, ließ gestern mitteilen, es werde weiter über eine Fortsetzung des Vertrages verhandelt. Allerdings werden sämtliche Möglichkeiten geprüft. Auch ein Verkauf des Hauses ist möglich. Karstadt-Geschäftsführer Harald Kirchfeld wollte sich dazu nicht äußern. (Von Sebastian Scholze)