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25.11.2009

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Literatur: Poesie aus Zeitungen

TÜBINGEN - Aus ihrer Schreibtischschublade quellen zigtausende Wörter, ausgeschnitten aus Zeitungen und Magazinen, in Schrifttyp, Farbe und Größe unterschiedlich. Mit ihnen bastelt Herta Müller neue Texte, die sie auf Ansichtskarten klebt. Auf Din- A6-Papier lässt die Nobelpreisträgerin neue Sätze entstehen. „Die Wörter sind wie ein Bahnhof. Immer wenn sie aus der Schublade rauskommen, dürfen sie abfahren. Ich weiß nicht, ob ihnen das gefällt,“ sagte sie in Tübingen. Dort gab die aus dem rumänischen Banat stammende Schriftstellerin einen Einblick in ihre Schaffenswelt.


Nichts Überflüssiges

Die „Handarbeit“ des Ausschneidens und Zusammenklebens sei für ihren Umgang mit dem gedruckten Wort hilfreich: Auf dem knappen Raum einer Karte könne sie sich nichts Überflüssiges erlauben: Eine Schule der Genauigkeit und Präzision – und der Kunst: „Nur wenn Wörter, die sich nicht kennen, auf ungewöhnliche Weise zusammen kommen, gibt es Poesie“, sagt Müller.

Poesie ist es auch, wenn sie in ihrem neuesten Buch „Atemschaukel“ aus der Sicht eines jungen Deutschrumänen über den sowjetischen Gulag-Alltag berichtet. In einzigartiger, prägender Sprache schildert sie, wie sich Zwangsarbeit im grausamen Detail darstellt.



Gefrorene Kartoffelschalen

Sie schreibt von Zement, gefrorenen Kartoffelschalen und der sogenannten Herzschaufel: „Ich bräuchte die Herzschaufel nicht. Aber mein Hunger ist auf sie angewiesen. Ich wünschte, die Herzschaufel wäre mein Werkzeug. Aber sie ist mein Herr“, schreibt Herta Müller. „Ich hab ihr zu danken, denn wenn ich fürs Brot schaufle, bin ich abgelenkt vom Hunger.“ Mit dem Vorbild für die Hauptfigur, dem Autor Oskar Pastior, verband Herta Müller neben der deutschrumänischen Herkunft auch die Liebe zur Sprache. Bis zu seinem Tod 2006 half er ihr, das literarische Projekt zu verwirklichen. Er erzählte ihr bis ins Detail von der schweren Zeit im Gulag. (epd)



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