Rund 2,2 Millionen Euro Energiekosten könnte die Stadt jährlich sparen, wenn alle öffentlichen Gebäude saniert wären. Dafür müssten jedoch erst 70 Millionen Euro in Baumaßnahmen gesteckt werden. Das geht aus dem Potsdamer Klimaschutzbericht für 2008 hervor, den Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) gestern vorgestellt hat. Derzeit seien noch etwa 40 Prozent der öffentlichen Gebäude unsaniert und „bieten ein hohes Potential für energierelevante Maßnahmen“. Insbesondere der Rathauskomplex in der Friedrich-Ebert-Straße habe einen „immensen Investitionsbedarf“, so Jakobs. Aber auch viele Schulen und Kindertagesstätten zählten zu den Energieverschwendern. Bis 2012 hat der Kommunale Immobilienservice 7,5 Millionen Euro für „energetische Zwecke“ eingestellt. Diese Summe soll über Fördermittel erhöht werden.
Für Mitte des kommenden Jahres kündigte Jakobs ein Klimaschutzkonzept an. In diesem Papier sollen Wege aufgezeigt werden, wie die Stadt ihr Ziel erreichen könne, bis 2020 die Kohlendioxidemissionen um 20 Prozent zu reduzieren. Untersucht werde beispielsweise die wirtschaftliche Machbarkeit, so genannte Inselheizwerke durch effizientere Blockheizkraftwerke zu ersetzen. 2008 hat die Stadt 853 000 Tonnen Kohlendioxid in die Luft „gepustet“. Aufgrund steigender Einwohnerzahlen, die mehr Strom und Wärmeenergie verbrauchen, sei die Emission leicht gestiegen. Verglichen mit vorbildlichen Klimastädten wie Heidelberg und Münster schnei- de Potsdam dennoch besser ab, sagte Jakobs.
Potsdams Sorgenkind bleiben die regenerativen Energien. Obwohl die Zahl der Photovoltaik-Anlagen im Stadtgebiet gestiegen sei, werden damit weniger als 0,1 Prozent des Potsdamer Strombedarfs erzeugt. Vielfach behindere der Denkmalschutz den Aufbau von Solardächern.
Beim Autoverkehr setzt Jakobs Hoffnungen in die Entwicklung von Elektroautos. Potsdam gehört zu den acht Modellregionen in Deutschland, die der Elektromobilität zum Durchbruch verhelfen sollen. Ein Fünftel des Autoverkehrs werde Prognosen zufolge in den nächsten elf Jahren Strom „tanken“. Auch mehr Radverkehr könne helfen, die Klimaziele zu erreichen. Wie berichtet, soll dessen Anteil in Potsdam bis 2012 auf 27 Prozent steigen. Für den Ausbau des Radverkehrs stellt die Stadt jährlich 750 000 Euro bereit. Der Anteil des öffentlichen Nahverkehrs soll bei 20 Prozent gehalten werden. Zu den Orten der höchsten CO2-Emission gehören die Zeppelin- und die Hans-Thoma-Straße. Für Jakobs zählt dazu auch die Russische Kolonie, in er wohnt: „Ich bin von tosendem Verkehr umgeben.“ (Von Ricarda Nowak)