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27.11.2009

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GESCHICHTE: „Lassen die einen zurück?“

Ausstellung „Museum der Wünsche“ im HBPG

POTSDAM / INNENSTADT - Sie hatten sich Gesprächsstrategien zurechtgelegt. „Für den Fall, dass die Interviews ins Stocken geraten würden, unsere Zeitzeugen nichts mehr zu sagen hätten“, erinnerte sich Saskia Sydow. Doch die Vorkehrungen waren unnötig. Die Befragten hielten mit ihren Eindrücken nicht hinter dem Berg, schilderten Hoffnungen und Ängste aus der Zeit, in der sich ihre Welt völlig veränderte. Die Mauer fiel, die DDR war am Ende. Damals waren sie so alt, wie Sydow und ihre Kommilitonen heute. Die Ausstellung „Museum der Wünsche“ mit den Interviews zur Wende ist ab sofort im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG) zu erleben.

Die Aufgabe, die die Geschichtsstudenten hatten, ging weit über das normale Maß universitärer Arbeit hinaus, sollten sie doch eine ganze Ausstellung erstellen. So stecken zwei Semester Arbeit in der Schau, die zugleich eine erste Kooperation zwischen dem HBPG und der Universität Potsdam darstellt. Mehr als 30 Interviews wurden geführt; 26 von ihnen bilden den Hauptteil der Ausstellung im Dachgeschoss. Größtenteils eigene Bekannte haben die Master-Studenten aus dem Kurs von Professorin Dagmar Klose, Lehrstuhlinhaberin Didaktik der Geschichte, befragt. Nach einer Zeitungsanzeige meldeten sich weitere Zeitzeugen. Unter den Befragten sind auch bekannte Namen. Volker Wiedersberg war damals Temperaturmesser bei der Gebäudewirtschaft und in der Oppositionsgruppe „Kontakte“ engagiert. Heute hat er sich als Anwalt einen Namen gemacht. Tim Warnke befragte zusammen mit einer Kommilitonin Jan Hildebrandt, den Sohn der früheren Sozialministerin und „Mutter Courage des Ostens“, Regine Hildebrandt. „Er war sehr aufgeschlossen und konnte sehr gut erzählen“, erinnerte sich Warnke. Wenn Hildebrandt im Interview an die bedrohlich aufmarschierenden Kampfgruppen denkt, denen er mit einer brennenden Kerze in der Hand vom Friedensgebet kommend begegnete, sind andere Erinnerungen pragmatischer. Angesichts der Maueröffnung fragte sich ein Zeitzeuge: „Lassen die einen auch zurück?“ Zwanzig Jahre nach den dramatischen Ereignissen bedauert ein weiterer Befragter, dass er nur auf das Geld aus war.

Für die Ausstellung, die bis zum 31. Januar 2010 läuft, sind die gekürzten Interviews auf Schautafeln wiedergegeben. Die langen Formen können ebenfalls gelesen werden und sollen unter Umständen als Broschüre erscheinen. Die Befragten haben den Studenten darüber hinaus persönliche Erinnerungsstücke überlassen. Für Schüler der Primar- und Sekundarstufe gibt es ein interessantes Mitmachprogramm.

Anmeldungen für Gruppen und Klassen unter 0331/ 620 85 55. (Von Sebastian Scholze)


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