POTSDAM / SCHLAATZ - Die Premiere ist gelungen. Kleinkunst hat im Asylbewerberheim am Schlaatz einen neuen, besonderen Ort und ein Publikum gefunden. Am Mittwoch startete die Reihe „Kunstasyl“ des Diakonischen Werkes mit dem Klangakrobaten und Sänger Setjan. Gut 30 Menschen kamen ins kleine, vom Flurlicht erhellte Wohnheimfoyer – Bewohner des Hauses, Veranstalter, Kenner des Künstlers sowie Neugierige aus der Stadt und darüber hinaus. Hausbewohner kümmerten sich auch um den Einlass und um die Bar.
Setjan thronte vor der Wohnheimtreppe, umgeben von einem Dutzend Instrumenten. Es seien Instrumente, „die ganz viele Räume öffnen, so vielfältig wie die Räume, aus denen die Menschen hier kommen“, so Setjan. Manche davon hatte man noch nie gesehen, nie gehört. Sein Programm hieß „Lieder aus der Herzregion“.
Geografisch lag diese meist in Indien, auf dem Balkan und in seinem Wohnort Gottsdorf bei Luckenwalde. Von dort kamen die Melodien und die Texte, die er teils in Originalsprache, teils auf Deutsch sang. Da gab es Liebeslieder jeder Art. Mal blieb der / die / das Geliebte ausdrücklich unbestimmt, der eigenen Phantasie überlassen: „Du gibst mir Kraft und hohen Mut.“ Ein anderes Mal sang ein
nordindischer Straßenhändler seiner Angebeteten vom Wunderland. Und das alles mit Instrumenten wie der indischen Wanderorgel, einem hölzernen Kästchen, das sich beidseitig öffnet und wie ein Akkordeon klingt. Eine handliche Holzbox mit vollem Ton ist Setjans selbst gebautes „Koffer-Didgeridoo“. Und versonnen ließ er seine Hände über die Schweizer Hang schweben, einen Klangkörper, der aussieht wie ein Wok und von der karibischen Steeldrum abstammt. Mit der technischen Hilfe eines „Loopers“ konnte Setjan Instrumente und Tonspuren gleichzeitig erklingen lassen. Gut, dass dieser Gehilfe zwischendrin ein paar Missklänge produzierte. Pure Harmonie wäre fast etwas befremdlich gewesen an diesem vielschichtigen Ort. Am Ende gab es jede Menge Applaus, Dank, Zeit zum Austausch und bei vielen den festen Willen, in zwei Wochen wieder unterm Neonlicht zu sitzen.
Nächster Termin: 9.12., 19 Uhr, Duo Kelpie: Keltisch-Skandinavische Weltmusik (khi)