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27.11.2009

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UNGLÜCK: Auf der Suche nach der Mama abgestürzt

Vierjähriger Junge fällt fünf Stockwerke tief / Nur Knochenbruch und leichtere Verletzungen

POTSDAM / AM STERN - Als Stephanie Semmler (18) und Manuel Tornow (28) am Mittwochabend zurückkommen vom Supermarkt an der Galileistraße, hören sie ein Wimmern. Es ist dunkel im Innenhof am Otto-Hahn-Ring, 20.15 Uhr. Sie gehen dem Wimmern nach ein paar Schritte bis zum Spielplatz. Entsetzt sehen sie das weinende Kind, nur mit einem Slip bekleidet, schon eiskalt. Stephanie greift nach Manuels Jacke, hüllt den Jungen darin ein. Sein rechter Fuß ist sonderbar nach außen geknickt; am Rücken hat er Schürfwunden, die etwas bluten. Der Junge erzählt, was passiert ist und wo. Er war nach dem Sturz noch selbst bis zum Buddelkasten gekrabbelt, etwa 30 Meter weit.

Weil niemand in der Nähe ist, nimmt Manuel das Kind vorsichtig und flach auf seine Arme, Stephanie hält den Kopf des Jungen fest. Sie kennen den Jungen, klingeln bei der Mutter, doch niemand meldet sich. Bei Karsten Grude im Erdgeschoss der Nr. 6 legen sie das Kind auf die Couch im Wohnzimmer, Grude ruft sofort die Polizei. Zehn Minuten etwa braucht der Rettungswagen; wenig später ist die tief geschockte Mutter da. Man nimmt den Jungen mit ins Klinikum. Noch am selben Abend erfahren die Retter von der Polizei, dass er offenbar keine schweren inneren Verletzungen erlitten hat. Sie sind erleichtert.

Als sie 19.45 Uhr aus dem Haus gingen zum Einkaufen, denselben Weg wie später dann zurück, war noch alles ruhig im begrünten Innenhof des U-förmigen Plattenbaus.

Die Mutter war „nicht im Interesse des Kindes“ weg, sagte gestern eine Polizeisprecherin, sondern „im eigenen Nutzen“. Nur eine halbe Stunde sei sie außer Haus gewesen, rechtfertigte sich die Mutter. Der Junge habe geschlafen, als sie ging, erzählte sie den Rettern noch am selben Abend. Doch der Kleine wachte auf, vermisste Mama, lief durch die Wohnung zum Balkon, öffnete die Tür, die nicht verschließbar ist. Er kletterte auf Gegenstände auf dem Balkon, beugte sich suchend über die Brüstung, verlor das Gleichgewicht. Mit dem rechten Fuß zuerst krachte er ins flache Strauchwerk am Boden, brach sich den Fuß. „Es muss ihm überall weh getan haben“, erzählt Manuel Tornow. „Egal, wo wir ihn anfassten, er hat immer aufgeschrien.“ „Und er war eiskalt“, ergänzt die Freundin: „Er hatte ja auch fast gar nichts an.“ Die Polizei informierte pflichtgemäß das Jugendamt und ermittelt nun gegen die junge Mutter wegen des Verdachts der Verletzung der Fürsorgepflicht. Wie es dem Jungen gestern gesundheitlich ging, dazu wollte sich das Klinikum auf Anfrage nicht äußern. „Wir dürfen zum Gesundheitszustand eines Patienten keine Auskunft geben“, sagte eine Sprecherin. (Von Rainer Schüler)


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