Seine Äußerung, der Standort der Stadt- und Landesbibliothek (SLB) solle angesichts der Umgestaltung der Potsdamer Mitte noch einmal diskutiert werden, sei eine „ganz persönliche Meinung“ gewesen. Das betonte Baubeigeordneter Matthias Klipp am Mittwochabend auf einer Veranstaltung der Fachhochschule Potsdam im Alten Rathaus, auf der er über die wichtigsten Baustellen der Stadtentwicklung sprach. Die Äußerungen von letzter Woche waren auf teilweise deutlichen Widerstand in der Stadtpolitik und in der Rathausspitze gestoßen. Klipp selbst bekannte, er sei verwundert, dass nach einer Konferenz mit Oberbürgermeister Jann Jakobs und anderen Beigeordneten sein „Kopf noch auf den Schultern sitze“. Seine Zuhörer im Alten Rathaus – vor allem architekturinteressierte Bürger, Architekturstudenten und -Dozenten – pflichteten ihm hingegen bei, wie es auch das Publikum eine Woche zuvor tat: Nach Visualisierungen der der künftigen Wirkung der Bibliothek im rückgewonnenen barocken Stadtquartier, die von der Bürgerinitiative „Mitteschön“ in Auftrag gegeben wurden, bezeichneten viele Zuschauer den Bau als „Fremdkörper“ und „unangemessenen Klotz“. Etwas trotzig bekannte Klipp unter dem Applaus seiner Zuhörer, dass er auch künftig seine Meinung äußern werde. Er habe das schon zu DDR-Zeiten getan, sagte der Beigeordnete mit Verweis auf seine Oppositionstätigkeit. Damals drohten für unbequeme Meinungen fünf Jahre Zuchthaus, heute müsse er nur befürchten, dass die Kulturbeigeordneten seine Esseneinladungen ausschlage – „eine vergleichsweise geringe Strafe“, so Klipp. Die für die Bibliothek zuständige Iris Jana Magdowski hatte aus Verärgerung darüber, dass Klipp den Bibliotheksstandort in Frage gestellt hatte, seine Einladung abgelehnt. Die Diskussion in der Stadt zu diesem Thema sei ohnehin nicht zu verbieten, so Matthias Klipp. Die Gespräche rund um das Forum gaben ihm recht: Sie drehten sich meistenteils um den „Fremdkörper SLB“.
Klipp versuchte zudem, all jene zu beruhigen, die eine „barocke Puppenstube“ in der historischen Mitte befürchten: Von den rund 80 Gebäuden, die dort entstehen sollen, stünden derzeit höchstens elf unter „Leitbautenverdacht“ – und damit möglicherweise unter dem Zwang zur historischen Rekonstruktion. Die restlichen Parzellen würde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit modern bebaut. Die Stadt plant lediglich grobe Vorgaben für Bauhöhen, -formen und Farben.
Unterdessen hat die Potsdamer Bibliotheksgesellschaft eine Unterschriftenaktion für die zügige Sanierung der SLB gestartet. In einem Faltblatt informiert sie über das Projekt und den Beschluss der Stadtverordneten von 2007 und bittet interessierte Bürger, sich mit ihrer Unterschrift der Forderung der Bibliotheksgesellschaft anzuschließen.
Die Sanierung der Bibliothek und die Pläne für den künftigen „Wissensspeicher“ mit Bibliothek und Volkshochschule sind Thema eines Bürgerforums in der Reihe „Potsdamer Mitte im Dialog“, das am Dienstag, 1. Dezember, um 19 Uhr im Alten Rathaus stattfindet. (Von Jan Bosschaart)