BELZIG - Der kleine Franzose ist im Fläming bekannt wie der bunte Hund aus dem Sprichwort. Brav verrichtet der weiße Peugeot mit den vielen Werbeschildern seine täglichen Dienste und bringt Obst, Gemüse und Getränke, Brot und Wurst und auch mal Kleidung. Jedes Mal ist er bis unters Dach vollgepackt mit all den Lebensmitteln, die die Supermärkte der Region für die Menschen spenden, denen es nicht so gut geht. Genau 733 Kilo passen in den wackeren Flitzer.
„Manchmal wird es wohl ein wenig mehr sein“, sagt Karin Brauneck entschuldigend. „Aber bevor wir zweimal fahren.“ Klar, bei den Spritpreisen will jeder Kilometer wohl überlegt sein. Karin Brauneck ist die Vize-Chefin der Belziger Tafel. Deren drei Ehrenamtler, drei Ein-Euro-Jobbern und viele Helfer auf Abruf sammeln die guten Gaben auf ihren weiten Touren ein und verteilen sie später an ihre rund 2500 Gäste. Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr.
„Eine Panne hatten wir zum Glück bisher noch nie“, sagt Karin Brauneck voller Respekt und schaut fast ein wenig verliebt auf den Transporter. „Das grenzt manchmal schon an ein Wunder.“
Der Tourenplan ist eng gestrickt. Von Montag bis Freitag sind die Fahrten genau getaktet. Sie führen von Belzig zur Außenstelle nach Treuenbrietzen, von Lehnin nach Linthe und von Wiesenburg nach Brück. Überall dorthin, wo es Geschäfte und Firmen gibt, deren Chefs ein Herz für Bedürftige haben, ist der Tafel-Flitzer auf Achse.
Knapp 1000 Kilometer pro Woche spulen Karin Brauneck und ihr Kollege Wolfgang Günther, treue Seele des Vereins und momentan Ein-Euro-Jobber, Woche für Woche auf den Straßen des Flämings ab, immer im Wechsel hinter dem Lenkrad. Munter schnurrt der treue Diesel aus Sochaux dann unter der Haube. „Er springt eigentlich immer an“, sagt Wolfgang Günther, der früher im Ludwigsfelder Autowerk gearbeitet hat und sich mit Fahrzeugen ein wenig auskennt. Der kleine Franzose ist allen ans Herz gewachsen. Er ist ihnen lieb, aber richtig teuer.
„Leider häufen sich die Reparaturen in letzter Zeit beträchtlich“, berichtet Tafel-Chefin Renate Rother. „Die Abstände werden immer kürzer.“ Allein in diesem Jahr sei der Peugeot recht häufig beim unfreiwilligen Boxenstopp gewesen. Stoßdämpfer, Achsen, Lichtmaschine, Auspuff – die Liste der Tauschteile ist lang. „Zum Glück haben wir in der Belziger Werkstatt Dawid und Dawid Autotechnik einen prima Partner“, sagt Karin Brauneck. „Dort ist man sehr entgegenkommend und macht vieles für uns von heute auf morgen.“
Doch der kleine Franzose ist müde geworden. Genau 257 155 Kilometer hat er bis vorgestern Abend auf dem hiesigen Asphalt abgespult. Seit dem 27. Juni 2000 steht der Wagen den Belziger Tafelmitarbeitern zu treuen Diensten. „Wir bräuchten jetzt dringend ein neues Auto, das wäre sehr wichtig für unsere Arbeit“, sagt Karin Brauneck. „Nicht auszudenken, wenn wir mal wirklich eine größere Reparatur haben.“
Rund 1000 Euro im Jahr muss der Verein für Reparaturen und Wartung ausgeben. „Manchmal wird es eben auch ein bisschen mehr“, sagt Matteo Felgentreff, Koordinator des Arbeitslosenverbandes in Luckenwalde. Der Verein ist Träger der Belziger Tafel. „Durch die Krise sind uns leider viele Sponsoren und Spender weggebrochen“, sagt Felgentreff ernst. Der Reifenhersteller Continental beispielsweise sei abgesprungen, was einen herben Verlust bedeute, denn die dringend benötigten Winterpneus muss der Verein nun selbst bezahlen. „Wir wissen noch nicht genau, wie wir das anstellen sollen.“ Das Tragische daran ist, dass die Krise immer mehr Menschen so arm macht, dass sie zur Tafel kommen müssen. Ein teuflischer Kreislauf.
Der Arbeitslosenverband und die Belziger Tafel hoffen nun auf möglichst viele Spenden, um wenigstens einen Grundstock für die Anschaffung eines Transporters im kommenden Jahr zu haben. „Wir werden einen Gebrauchten auswählen, die Marke ist uns egal, der Wagen muss nur preiswert und zuverlässig sein“, sagt Matteo Felgentreff. (Von Hermann M. Schröder)