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28.11.2009

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BRAUCHTUM: Platz da, die Tanne kommt!

Malermeister Alfred Wegener spendiert Weihnachtsbaum für den Breiten Weg in Ziesar

ZIESAR -   Malermeister Alfred Wegener macht noch schnell ein paar Fotos. „Als Erinnerung für unsere beiden Enkel“, sagt der 59-Jährige. Eine der drei Tannen aus seinem Vorgarten in Ziesars Schulstraße wurde gestern früh von Stadtarbeiter Paul Heinrich und seinem Trupp gekappt. Da die Blautanne Wegener über den Kopf gewachsen ist, hat er sie lieber vor dem Rathaus im Breiten Weg aufstellen lassen. Am Nachmittag bekam der etwa zehn Meter hohe Weihnachtsbaum von Elektro-Charwat noch die städtische Lichterkette mit 120 Leuchten umgelegt. Nun darf er seinen Glanz bis zu den Heiligen drei Königen Anfang Januar auf Ziesars Boulevard verbreiten. Ganz bestimmt wird er beim Weihnachtsmarkt am 4. Dezember weitere Bewunderer finden.

Als Alfred Wegener 1982 das Haus seines verstorbenen Großvaters übernahm, der den Malerbetrieb in der Schulstraße begründet hatte, pflanzte er mit seiner Familie fünf Bäume. Darunter zwei Lärchen. „Die anderen kommen dieses Jahr auch noch weg, denn wir wollen den Vorgarten neu gestalten“, erzählt er. Er befürchtet, dass die Wurzeln das Pflaster anheben oder die eng stehenden Gehölze bei Sturm sogar umkippen könnten. Die Entscheidung, die erste Tanne der Stadt als Weihnachtsbaum zu überlassen, fiel im Familienrat. „So erfüllt sie noch einen nützlichen Zweck.“ Während die Weihnachtstanne früher aus dem Stadtforst geholt wurde, ist es seit einigen Jahren üblich, dass Einwohner sie spendieren. Vor zwölf Monaten hatte Heinrich die Kettensäge an einem Baum von Wegeners Nachbarn Dietmar Busse angesetzt.

Zu Fall kam die Blautanne des Malermeisters gestern nicht. Auf Wanderschaft ging sie in einer Schlinge an einem Mobilbagger hängend. Die Tiefbaufirma Kober aus Luckenwalde, die in der Otto-Altenkirch-Straße wirbelt, übernahm den Transport. Am Steuer der Baggerfahrer für alle Fälle – Marco Käks. Im flotten Schritttempo chauffierte er den von einem halben Dutzend Männern an Gurten gesicherten Nadelbaum über das historische Pflaster. Schätzungsweise 300 Meter sind es vom Eigenheim der Wegeners zum Rathaus. An einigen Stellen der Schulstraße nahm sich die stattliche Tanne die ganze Breite. Unter der Freileitung musste sie kurz abtauchen. Nach etwa einer halben Stunde hatte sie ihren neuen Standort erreicht. Bis sie in der im Breiten Weg eingelassenen Halterung verkeilt und ihre Schokoladenseite zum Boulevard zeigte, sollte es noch ein Weilchen dauern. Nachbarn der Wegeners, einige andere schaulustige Ziesaraner und wartende Autofahrer ließen sich das vorweihnachtliche Schauspiel nicht entgehen: „Eine herrlich gewachsene Tanne mit schönen Zapfen“, schwärmen Gisela Lucht und Curtina Pufahl. „Schade nur, dass ihre Tage gezählt sind“. Selbst Baggerfahrer Käks findet: „Ein schönes Ding.“ (Von Claudia Nack)


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