WUSTERWITZ - In seiner Freizeit spielt der neue Wusterwitzer Weihnachtsmann am liebsten Schlagzeug. Als Erwachsener hat sich für Frank Schüler ein Jugendtraum erfüllt: Zu seinem 50. Geburtstag legten Gattin Silvia und der Gitarre spielende Nachbar Jan Steyskal zusammen und schenkten ihm ein Elektro-Instrument. An den Drums kann Schüler am besten nach einem langen Arbeitstag entspannen. Beim Agravis Baustoffhandel ist er jetzt im Lager tätig, vorher war er jahrelang im Verkauf. Doch zum Wusterwitzer Weihnachtsmarkt heute in zwei Wochen rückt er nicht mit dem Schlagzeug, sondern mit dem Bollerwagen an, um kleine Präsente unter die Kinder zu bringen. Es ist sein zweiter Gemeinde-Dienst im roten Mantel.
Vor einem Jahr war er für den schwerkranken Paul Neumann spontan als Vertretung eingesprungen. Bürgermeister Ronald Melchert, der wie Frank Schüler im Rosenthaler Weg wohnt, hatte ihn angesprochen. Er wusste, dass der 50-Jährige im Bekanntenkreis als Rotrock unterwegs war. „Im kleinen Rahmen, nicht regelmäßig“, wehrt dieser ab. Paul Neumannn, der als langjähriger Wusterwitzer Weihnachtsmann eine Institution war, wollte er keine Konkurrenz machen. Nach dessen plötzlichem Tod im Januar ist es für Frank Schüler nun Ehrensache, dessen Posten zu übernehmen. Doch er und Bürgermeister Melchert wissen, dass so eine Lücke nicht zu schließen ist. „Paule war ein Naturtalent und ist nicht zu toppen.“ Sie wissen aber auch, dass ein Wusterwitzer Weihnachtsmarkt ohne Weihnachtsmann keiner wäre.
Bei seinem ersten Auftritt hatte Schüler im nagelneuen roten Mantel 115 Tüten verteilt, die Chorfrauen gepackt hatten. „Ich bin der neue Weihnachtsmann“, stellte er sich bei den Kindern vor und hörte von ihnen manches Gedicht, das er selbst noch nicht kannte. „Je kleiner je aufgeweckter sind die Kinder“, erzählt der zweifache Vater und stolze Opa. Die größeren seien eher zurückhaltend. Glitzernde Kinderaugen sind auch für Frank Schüler der schönste Lohn. Anders als sein Vorgänger muss der 50-Jährige allerdings mit Engelshaar und falschem Bart nachhelfen. Zur Friseuse braucht er diesmal nicht. „Weil alles abstand, habe ich mir die weiße Pracht vor einem Jahr stutzen lassen“, erklärt er. Das neue Ehrenamt macht Schüler Spaß. „Sonst würde ich es nicht tun.“ Und er hat noch weitere vorweihnachtliche Dienste geplant. Während er in der Schule arbeitsbedingt wahrscheinlich absagen muss, besucht er auf jeden Fall die Kita. „Da hab’ ich Urlaub.“ Hinzu kommt ein halbes Dutzend Auftritte in der Familie. Mehr sei als berufstätiger Weihnachtsmann nicht zu schaffen. Der Heiligabend bleibt frei. Für Enkeltochter Ida-Fabiene. Zu ihr kommt Frank Schüler nicht im roten Mantel, sondern in Zivil. „Denn mit sieben Monaten ist sie noch zu klein.“
Der Wusterwitzer Weihnachtsmarkt findet am 12. Dezember in und an der Turnhalle statt. Beginn: 14 Uhr. (Von Claudia Nack)