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02.12.2009

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Brandanschlag auf Azubi: Mobbing war lange bekannt

Verletzter Lehrling auf dem Weg der Besserung / Täter auf freiem Fuß

GÖTZ/BEELITZ - Der 19 Jahre alte Beelitzer Malerlehrling, der am Donnerstag bei einem Brandanschlag im Götzer Handwerkerzentrum schwer verletzt wurde, befindet sich mittlerweile auf dem Weg der Besserung. Das Spezialkrankenhaus in Berlin-Marzahn teilte der Polizei mit, Matthias S. werde voraussichtlich keine bleibenden Schäden zurückbehalten.

Drei andere Azubis hatten, wie berichtet, den jungen Mann in einem Ausbildungsraum mit Lösungsmittel besprüht und ihn angezündet. Matthias S. erlitt schwere Verbrennungen an Hals, Haaransatz und an einer Hand.

Die drei mutmaßlichen Täter wurden gestern nach der Vernehmung wieder auf freien Fuß gesetzt. Gegen sie ermittelt die Staatsanwaltschaft Potsdam wegen gefährlicher Körperverletzung. Die Männer im Alter von 17 bis 23 Jahren stammen aus Potsdam und erlernen das Maler- und Lackiererhandwerk zusammen mit dem Anschlagsopfer am Oberstufenzentrum I in Potsdam. Sie waren in Götz, um dort praktische Übungen zu absolvieren.

Offenbar haben sich die jungen Männer bei ihren Aussagen zum Tathergang in Widersprüche verstrickt. Das Opfer wurde noch in der Nacht nach der Tat von der Berliner Polizei verhört. Mindestens einer der Tatbeteiligten soll geäußert haben, er hätte nicht gewusst, welche Art Flüssigkeit sich in der Sprühflasche befand. Die Ermittler der Kripo in Brandenburg/Havel lassen aber keinen Zweifel daran, dass es sich um eine mutwillige Tat handelt – immerhin stellten sie ein Feuerzeug am Tatort sicher. Als Lackierer-Lehrling wird man im Umgang mit entzündbaren Substanzen geschult.

Klar ist inzwischen auch, dass die Leitung des Handwerkerzentrums von dem Mobbing gegen Matthias S. wusste. Nach Recherchen dieser Zeitung hat die Schulleitung in der Vergangenheit besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen. So vermied man es, dass der 19-Jährige allein mit den aggressiven Mitgliedern seiner Lerngruppe in einem Raum war. Matthias S. bekam außerdem bisweilen Aufgaben, die er allein lösen konnte. Ein Aufseher sollte den Schüler im Blick behalten.

Die Tat ist augenscheinlich der Gipfel zahlreicher Mobbing-Attacken gegen den kleinen Beelitzer, der vielen seiner Mitschülern körperlich unterlegen ist. Die MAZ hatte ein Video im Internet entdeckt, das die Hänseleien dokumentiert. Weitere Sequenzen sind gestern aufgetaucht. In einem Filmchen imitiert Matthias S. auf dem Schulhof in Potsdam einen Affen – Umstehende stecken ihm Geld in die Tasche für die Darbietung. Ein Mitschüler kommentiert das Geschehen mit herablassenden Bemerkungen über den angeblichen Geisteszustand von Matthias S.

„Uns war bekannt, dass Matthias immer mal wieder im Fokus einzelner Mitschüler steht“, sagt Dieter Arlt, Leiter des Ausbildungszentrums der Handwerkskammer in Götz gestern. „Die Gruppe war schwierig.“ Allerdings: Dass ausgerechnet diese jungen Männer Hand angelegt haben, „hätte ich nicht erwartet – ich hätte eher andere aus der Gruppe im Blick gehabt.“

Elf junge Männer lassen sich seit Herbst 2008 am OSZ und im Handwerkerzentrum Götz zu Malern und Lackierern ausbilden. Dies geschieht im Rahmen des „Kooperativen Modells“, vor Jahren vom Land geschaffen, als es viel zu wenig Ausbildungsplätze gab. Heute kommen hier in der Regel schwierige Jugendliche unter, was in den Gruppen zu Konflikten führt.

Im Sommer sei es so schlimm geworden, „dass zwei Jungs die Ausbildung verlassen mussten“, erinnert sich Arlt. Diese seien massiv auffällig gewesen. Seither gehören noch elf junge Männer zu der Malergruppe. Von denen waren nur vier in dem Übungsraum, in dem Matthias S. schwer verletzt worden war. Die anderen waren nicht in der Nähe.

Am Oberstufenzentrum 1 in Potsdam, wo Matthias S. und die Täter Theorieunterricht nehmen, herrschte gestern Bestürzung. „Ich bin zutiefst betroffen, wir sind alle entsetzt“, sagte Schulleiter Larsen Hähle.

Während Matthias S. sich im Klinikum erholt, kann der Mitschüler, der ihn mit Lösungsmittel besprühte, heute groß mit Freunden feiern: Er wird 18 Jahre alt. (Von Heiko Hesse und Ulrich Wangemann)


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In diesem Forum gibt es 1 Eintrag

» Mitterfeld | 29.11.2009, 22:42

Lehrlinge zünden Mitschüler Matthias S. an  (0) 
Wie kann es sein, dass über Jahre von Bidlungseinrichtungen wie dem Oberstufenzentrum oder dem Handwerkerzentrum Götz keine sozialpädagogischen Maßnahmen ergriffen werden, um diese menschenverachtende Tat zu verhindern?Mobbing ist kein Kavaliersdelikt, sondern fortgesetzte vorsätzliche psychische und physische Körperverletzung. Wer dies als Lehrer oder Schulleitung toleriert oder keine nachhaltigen Gegenmaßnahmen gegen die mutmaßlichen jugendlichen Täter und Mitschüler des Matthias S. ergriffen hat, muss sich fragen lassen, ob nicht vielleicht Strafvereitelung im Amt vorliegt. Ein erfahrener Schulsozialpädagoge - und ich vermute, es gibt ihn nicht, weder in Potsdam am OSZ 1 noch im Handwerkerzentrum Götz - hätte eine derartige Tat im Vorfeld schon verhindern helfen! Völliges Unverständnis herrscht bei mir darüber, dass die mutmaßlichen (rechtsradikalen?)Täter auf freiem Fuß sind und fröhlich Geburtstag feiern können, während ihr Opfer in Marzahn mit dem Tode ringt!

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