POTSDAM / INNENSTADT - Die Landeshauptstadt hat ein neues Schaufenster der Kunst, repräsentativ und qualitätvoll. Die traditionsreiche Galerie Sperl ist wieder in der Öffentlichkeit präsent. Mit ihrer nun bereits 15. Ausstellung „Kleine Formate“ öffnet sie im großen Format ihre Galerieräume in der Friedrich-Ebert-Straße/ Ecke Am Kanal, wo ehemals die Humboldt-Buchhandlung ihren Sitz hatte.
Eigentlich bestand ja die Hoffnung, die neue Galerie unweit des alten Standorts am Holländischen Viertel in einem leer stehenden Industrieobjekt zu eröffnen. Doch immer wieder verzögert sich der notwendige Umbau durch die Firma Hoch-Tief. Mit bereitwilliger Unterstützung von Kulturamtsleiterin Birgit-Katharine Seemann und dem Kommunalen Immobilienservice (Kis) der Stadt fanden Ursula und Rainer Sperl die jetzigen Räume.
Schon der Zuspruch – geradezu überwältigend bei der Vernissage – zur ersten Ausstellung in den alten Buchhandlungsräumen bestärkt die Sperls, hier möglichst lange als Galerie präsent zu sein. Sie werden diese Räume verlassen müssen, wenn mit der Sanierung des Blocks im Zuge des Umbaus der Stadt- und Landesbibliothek begonnen wird.
Die Räume sind ein Glücksfall. Sie bieten zwei Galerien in einer. Der untere Raum gibt den größeren Formaten Platz, während der obere Raum sich als ausgesprochen intime Galerie für kleinere Formate und Skulpturen anbietet. Zusätzlich ist genügend Platz, Mappen auszulegen. So sind sie alle wieder präsent bei den „Kleinen Formaten, 26 an der Zahl, die zu Sperls Künstlern gehören. Alle gerecht zu würdigen, ist bei nahezu 100 Arbeiten unmöglich.
Beim Aufstieg zur oberen Galerie wird man empfangen von Falko Berendts „Märchengarten“ mit allerlei märchenhafter Figuration vor penibel filigran strukturiertem Bildgrund gleich einem Teppich der Szenerie. Nicht weit davon überrascht Astrid Germo mit eindringlichen, höchst realistischen Hundeporträts, bei denen im Vergleich zu zurückliegenden Arbeiten nur die Blumentapete vertraut ist. Wolf-Dieter Pfennig widmet sich mit Witz den Paarbeziehungen, während Elke Pollack mit ihren naiv gestylten Figuren entzückt. Sybille Junge gibt mit ihren farbig klingenden Märchenwelten ein Pendant zu Falko Berendts grafisch zirzensischen Attraktionen.
Im unteren Geschoß findet man höchst erfreut auch wieder Dieter Zimmermann, diesmal mit in Häusern fragwürdigen Bauzustandes eingesperrtem Menschengewimmel. Still beglückt steht man vor Christina Pohls farbig klaren, flächig gebauten, hellen Landschaften. Rein abstrakte Arbeiten sind weniger präsent, aber Schmuckstücke im Angebot wie Dagmar Misselshorns suggestive Farbklänge oder Jana Feilers aufs existenziell Wesentliche reduzierte Zeichen. Mit drei in Schönheit und Ruhe ausstrahlenden Arbeiten ist Hans Hendrik Grimmling im Furioso seines Werke beim Andante angekommen. Und über allem surren in kühnen Bögen Rainer Fürstenbergs Flugobjekte, und pointiert platziert gleich delikat satirischen Bonbons trifft man auf Rainer Sperls Skulpturen.
Es ist eine ausgesprochen heitere Ausstellung, so, als wären sie alle froh, wieder bei Sperl angekommen zu sein. (Von Arno Neumann)
Am Kanal 47 , bis 23. Dezember, Mi.-So. 12-18 Uhr, 280 06 08.