POTSDAM / BRANDENBURGER VORSTADT - Sie haben sichtlich Spaß dabei, auf Kommando unter den Tischen zu verschwinden, die Schüler der 9c – besser als politische Bildung ist das allemal. Gern auch ein zweites Mal, weil das Kamerateam im ersten Anlauf nicht die gewünschten Bilder bekommt. Doch was gestern eine muntere Probe war, könnte im Ernstfall überlebenswichtig werden: Die Käthe-Kollwitz-Schule hat als erste in der Landeshauptstadt und wohl auch als erste in Brandenburg ein Amok-Alarm-System installiert. Per Handy kann jeder Lehrer über die Schulrufnummer und eine wohlgehütete Zahlenkombination den Alarm auslösen – aus der Klasse, aber auch von jedem anderen Ort. Der Polizei ist die Nummer ebenfalls bekannt – falls eine Warnung über den Notruf eingeht. Sobald der Ruf eingeht, gibt es über den Lautsprecher eine Durchsage, die von „technischen Problemen“ spricht. Dann wissen die Lehrer, dass es gilt, schnellstmöglich den Klassenraum von innen zu verschließen, und die Schüler ducken sich in Ecken und unter Bänke.
Das potenziell lebensrettende Stück Technik materialisiert sich im Hauswirtschaftsraum in Form eines kleinen Einschubs unter der Telefonanlage. Mit rund 1500 Euro sind die Kosten gegenüber dem möglichen Nutzen sehr gering. Das betont Horst Heinzel an diesem Vormittag besonders gern, denn der Chef einer Werderaner Sicherheitsfirma und CDU-Stadtverordnete hat das Gerät für das Modellprojekt gesponsert. Zwar hoffe er, dass das Modell Schule macht und jede Potsdamer Schule bald über ein solches System verfügt, bekennt Heinzel. Dass es dabei auch um Auftragsakquise geht, bestreitet er aber. Der „gute Gedanke“ sei das einzige Motiv.
Angeregt wurde die Kooperation vom CDU-Fraktionschef und Bildungsausschuss-Vorsitzenden Michael Schröder, der gern sähe, dass alle 52 Potsdamer Schulen mit dem Alarmgerät ausgestattet werden. Die geschätzten Kosten von 100 000 bis 150 000 Euro seien gering im Vergleich zum möglichen Schaden bei einem Amoklauf, betont er. Schulleiter Werner Lindner pflichtet ihm bei. Er ist sichtlich stolz auf die Vorreiterrolle seiner Schule – das entsprechende Gerät ist erst seit wenigen Wochen auf dem Markt, betont auch Heinzel.
Vom Kommunalen Immobilienservice war gestern keine Auskunft zu bekommen, ob man sich eine Ausrüstung weiterer Schulen vorstellen könnte. An der „Kollwitz“ muss indes noch nachgebessert werden. Die Lautsprecherdurchsage ist so leise, dass sie im lauten Klassenraum kaum wahrzunehmen ist – und ein Kontrollgang belegt, dass kaum jemand abgeschlossen hat. (Von Jan Bosschaart)