POTSDAM / INNENSTADT - So handlich klein das Schulbuch, so lang ist der Titel, der „Das Notwendigste auf dem Gebiete der Geographie“ verspricht. Von 1834 stammt das schmale Werk im Taschenbuchformat, mit dem Volksschüler damals erdkundliche Grundbegriffe lehrten. Ob das Exemplar tatsächlich das älteste Schulbuch aus einem Potsdamer Privathaushalt ist, weiß Studienkreis-Leiterin Ursula Demitter nicht.
Doch innerhalb der vom Studienkreis Potsdam organisierten Ausstellung historischer Schulbücher hat Hans-Gunter Voigt eines der angejahrtesten Werke beigetragen. Denn der ehemalige Referatsleiter des Bundesfilmarchivs unterbietet sich möglicherweise noch selbst, obwohl das Erscheinen des Büchleins über preußische Geschichte nicht exakt zu datieren ist. Weil die royale Liste aber mit Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. (1770 – 1840) endet, vermutet Voigt die Herausgabe „etwa um 1830“. Als Dankeschön für die Leihgaben, die ab morgen in der Stadt- und Landesbibliothek zu sehen sind, spendiert Heidelore Bellin, Inhaberin des „Internationalen Buchs“ und Kooperationspartnerin des Studienkreises, dem Potsdamer einen Büchergutschein.
Als Jugendlicher hatte der heute 65-Jährige auf dem Dachboden der Großmutter gestöbert, dabei neben vielen anderen Dingen die Schulbücher gefunden, die wohl schon seiner Ur-Ur-Großmutter gehört haben. Für Geschichte begeisterte sich Voigt früh und studierte das Fach später an der Berliner Humboldt-Universität. Das Schulbuch aus dem 19. Jahrhundert nutzte ihm als Quelle jedoch nie. Dafür besitzt das Lernmaterial einen soziologischen Wert: „Es war interessant festzustellen, wie Kinder zum Gehorsam gegenüber der Obrigkeit erzogen wurden“, sagt der Potsdamer.
Nach dem Aufruf des Studienkreises Mitte Oktober sind 30 historische Schulbücher zusammengekommen, erzählt Ursula Demitter. Bis vorerst Ende Dezember werden nun Fibeln, Atlanten sowie „Realienbücher“ ausgestellt, die komplexes Wissen aus Geographie, Geschichte und Naturwissenschaften in sich versammelten. (Von Ricarda Nowak)