POTSDAM / INNENSTADT - Sekunden haben den Unterschied ausgemacht zwischen gehörigem Schrecken und potenzieller Katastrophe. Wären Mirko P., Roland C., Frank K. und Luana nur etwas später gekommen, hätte der Brandanschlag auf die Wilhelm-Galerie bereits fatale Folgen haben können. Denn als am 20. November ein 29-Jähriger aus Nauen einen Kanister Benzin im Treppenhaus vergoss, war trotz blitzschnell ausgelösten Feueralarms und Großeinsatzes der Brandbekämpfer noch eine Gruppe Menschen im Gebäude auf dem Platz der Einheit – Patienten und Ärzte, von Rauch und Flammen im ersten Stock festgehalten.
Mit einer kleinen Zeremonie bedankte sich Potsdams Polizei gestern bei den aufmerksamen Zeugen. Während die drei Männer den Täter verfolgt und festgehalten hatten, hatte die 14-jährige Luana seinen Weg in die Galerie beobachtet und die Feuerwehr alarmiert. „Das ging weit über das normale Maß an Zivilcourage hinaus“, lobte Kriminalhauptkommissarin Ina Thieme, Leiterin des Dezernats Brände, alle. Mittlerweile lägen die Akten bei der Staatsanwaltschaft. Der Nauener, der bei seiner Tat mit 2,3 Promille stark alkoholisiert gewesen war und bereits zuvor mehrere Straftaten begangen hatte, müsse sich einem Verfahren wegen schwerer Brandstiftung stellen. „Das ist ein Verbrechenstatbestand“, sagte Thieme. „Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft.“
Offensichtlich aus Frust über seine Entlassung bei der Zeitarbeitsfirma Randstad, die im angezündeten Treppenaufgang ihren Sitz hat, hatte der 29-jährige Täter das Feuer gelegt. Randstad-Pressesprecherin Petra Timm bestätigte die kurz zuvor erfolgte Kündigung. „Es gab am Morgen mehrere Telefonate mit ihm“, sagte sie. „Weil er aber bereits alkoholisiert und sehr aufgeregt war, bat ihn die Mitarbeiterin sich zu beruhigen und später in der Geschäftsstelle vorbeizukommen, damit man die Sache klären könnte.“ Als der Entlassene dann kam, hatte er einen Kanister Benzin dabei. „Er wurde wegen seines persönlichen Verhaltens gekündigt“, wollte Timm nicht näher auf die Gründe für den Rauswurf eingehen. Unklar ist derzeit noch, wie mit den Komplizen des Naueners umgegangen wird: Drei weitere Personen saßen im Auto, mit dem er gekommen war. (Von Sebastian Scholze)