
Umbauplan für das Karli

Die erhöhte K-Tribüne
POTSDAM / BABELSBERG - Ein Monat Verzug ist bei den Planungen für den Umbau des Karl-Liebknecht-Stadions entstanden. Grund ist die Beschwerde eines unterlegenen Bieters bei der Vergabekammer des Landes gegen das Vergabeverfahren für die Architektenleistungen. Die Klage sei gerade erst nach einem schriftlichen Vergleich mit dem SV Babelsberg 03 zurückgezogen worden, sagte Vereinsgeschäftsführer Ralf Hechel am Montagabend bei einer Mitgliederversammlung. Nach Angaben von Bauherrenvertreter Ralf Marczinek ist dem Beschwerdeführer lediglich eine „Aufwandsentschädigung unter 5000 Euro“ gezahlt worden. Dem Vernehmen nach hatte es vier Bewerber gegeben, wobei der mit dem teuersten Angebot für die Blockade sorgte. Laut Marczinek bekommt jetzt das Potsdamer Architekturbüro Kock und Lünz, dem der bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommene Moritz Kock angehörte, den Planungsauftrag für etwa eine halbe Million Euro.
Acht Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II stehen für Umbau und Sanierung zur Verfügung. Damit soll das Babelsberger Stadion bis zum Sommer 2011 nach den Vorgaben des Handbuchs des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) fit gemacht werden für die dritte Liga bei den Männern und für Frauen-Championsleague-Duelle von Turbine Potsdam.
Kritik gab es erneut am geplanten Ausbau der Videoüberwachung, an der vorgesehenen Rasenheizung, der Ausweitung des Vip-Bereiches auf die Hälfte der oberen Etage des Stadionhauptgebäudes und an den vorgesehenen Parkplätzen. Stattdessen verlangten mehrere Mitglieder, das Geld für weitere, dringend benötigte Trainingsplätze zu nutzen.
SVB-Präsident Rainer Speer räumte ein, dass die Rasenheizung und die Parkplätze nicht im DFB-Handbuch gefordert werden. „Wir bauen aber nicht nur nach Verordnungen, das Stadion muss auch funktionieren.“ Bei einem Punktspielbetrieb mit zwei Mannschaften dürfe es im Winter nicht wieder zu Engpässen wegen Unbespielbarkeit kommen, sagte Speer. Den Vorschlag, Parkplätze ersatzweise in der Tiefgarage des Weberparks vorzuhalten, lehnte er mit der Begründung ab, der Anmarsch wäre den Sponsoren des Vereins nicht zuzumuten. „Ihr wisst doch, aus den Tickets für ,Stehplatz ermäßigt’ können wir höchsten einen Spieler bezahlen“, sagte Speer, für den auch an einem „vernünftigen Vip-Raum“ kein Weg vorbei führt. Sollten die acht Millionen am Ende nicht reichen, werde zuerst die Rasenheizung für etwa 700 000 Euro gestrichen, sagte Speer.
Jugendtrainingsplätze zwischen Nuthestraße und Babelsberger Park werde es auf absehbare Zeit nicht geben können, sagte der Präsident. Die Stadt und die Schlösserstiftung müssten vorher einen Grundstückstausch machen, Stiftungs-Generaldirektor Hartmut Dorgerloh sei dazu bereit, aber: „So wie ich die Stadt kenne, ist das in der Zeit nicht zu realisieren, in der wir die Konjunkturmittel ausgeben müssen.“
Streit zwischen dem Verein und der Polizei gebe es noch darüber, wer was für die Videoanlage bereitstellen muss, sagte Geschäftsführer Hechel. Sicher sei nur, dass der DFB für die Zeit nach dem Umbau eine komplette Überwachung der Außenzäune, der Kassen und des Stadioninneren fordert. (Von Volkmar Klein)