POTSDAM/ZOSSEN - Die Kriminalpolizei hat ihre Ermittlungen gegen den Zossener Holocaust-Leugner Rainer L. wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern eingestellt. Der Grund: Der 57-jährige Rechtsextremist wurde am Montagabend tot in seinem Haus in Zossen (Teltow-Fläming) entdeckt. Ein Abschiedsbrief und leere Tablettendosen deuten darauf hin, dass sich der bekannte Neonazi selbst das Leben nahm. Der Leichnam soll nach Informationen aus Sicherheitskreisen heute untersucht werden. Unklar ist bisher, welches Motiv für den wahrscheinlichen Suizid ausschlaggebend war: die Ermittlungen wegen Kinderpornographie oder die Depressionen, wegen derer L. psychiatrisch behandelt wurde.
Vor etwa drei Jahren war Rainer L. aus Berlin nach Zossen gezogen und gründete dort das Internetcafé „Zum Link“. L. war allem Anschein nach ein ideenreicher Geschäftsmann, der mit seinen Computer-Kursen nicht nur die Jugend, sondern auch die ältere Generation anlocken wollte. Dass L. ein überzeugter Rechtsextremist war, wurde erst Ende 2008 eher zufällig bekannt.
Als die Stadtverwaltung vor dem Internetcafé im Bordstein einen sogenannten Stolperstein einließ, der an frühere jüdische Mitbürger Zossens erinnerte, verlor L. die Beherrschung. Er rannte aus dem Laden und entriss einem städtischen Mitarbeiter, der den Messing-Gedenkstein filmte, die Kamera. Später verdeckte L. den Stein mit einer Bierkiste. „Wenn ich gewusst hätte, dass in diesem Haus jemals Juden gewohnt haben, hätte ich das Objekt nie gekauft“, empörte sich der Mann, der die Massenvernichtung der Juden im 3. Reich beharrlich leugnete.
In L.s Geschäfts- und Privaträumen tummelten sich derweil nicht nur junge Rechtsextreme aus der Gegend, in Hinterzimmern traf L. sich auch mit dem inzwischen verurteilten Holocaust-Leugner Horst Mahler und anderen selbst ernannten Neonazi-Größen.
Im Hinterzimmer standen auch die Computer, auf die sich die Polizei-Ermittlungen wegen Kindesmissbrauchs stützten. Dass diese Rechner überhaupt ins Visier der Fahnder gerieten, war vermutlich ein Zufall – zumindest sieht es bisher so aus.
Am Karfreitag dieses Jahres, dem 10. April, stahlen unbekannte Diebe aus dem Internetcafé zwei Computer. „Die wollten L.s Privatrechner haben; die Diebe wussten, was sie suchten“, heißt es aus Sicherheitskreisen. Dafür spricht zumindest, dass die übrigen Computer in L.s Café nicht angetastet wurden.
Monate später entdeckte die Polizei die gestohlenen Rechner bei zwei jungen Rechtsextremisten aus der Zossener Neonazi-Szene. Anstatt die Computer dem Besitzer zurückzugeben, wurden sie vom Landeskriminalamt gezielt nach kinderpornographischem Material untersucht. Entdeckt wurden schließlich mehrere Bilder, die L. gemeinsam mit Kindern in einer Weise zeigten, dass die Fahnder einen Anfangsverdacht wegen Kindesmissbrauchs erkannten.
Schon vor dem Diebstahl im April gab es offenbar Hinweise auf kinderpornographische Aktivität in L.s Internetcafé. Wie ein Kenner der Szene der MAZ gestern berichtete, habe ein Bekannter des Inhabers regelmäßig kinderpornographische Dateien aus dem Internet geladen. L. habe dies gewusst und geduldet. (Von Frank Schauka)