POTSDAM / WILDPARK - Auf Adventstürchen Nr. 2 grüsst Rudolph – schon an der Haustür. Nein, Rudolph heißt nicht der Herr Veterinär der Tierklinik am Wildpark, aber einer der beiden stolzen Hirsche rechts und links der Einfahrt auf den Hof der Persiusvilla unweit des Kaiserbahnhofs könnte ja durchaus so heißen, zumindest zur Weihnachtszeit.
In dem 1841/42 nach Entwürfen Ludwig Persius’ erbauten ehemaligen Forsthaus treffen jetzt allerdings keine Wildtiere mehr aufeinander sondern eher Fiffi und Mietzi. Die Tierklinik behandelt täglich bis zum 120 kleine und größere Patienten auf vier oder zwei Beinen – oder gar keinen, denn auch Reptilien und Exoten sind willkommen. Zur Versorgung der Patienten stehen acht Ärzte und zehn Tierarzthelferinnen bereit, derzeit gibt es außerdem fünf Azubis. Durchschnittlich zehn Tiere sind stationär aufgenommen, dafür gibt es draußen über den Hof die „Krankenzimmer“, auch der Endoskopieraum ist dort.
In der verwinkelten Turmvilla wäre dafür einfach kein Platz, hier sind die vier Behandlungsräume und der Wartebereich untergebracht, dazu das Labor, eine kleine Bibliothek und die Apotheke, und im gemütlichen Turmzimmer ein kleines Büro. Über zu wenig Arbeit können sich die drei Inhaber Thomas Hanisch, Thomas Zabke und Rainer Stuckas nicht beklagen, schon gar nicht jetzt in der Adventszeit. Die schwarz-weiß gefleckte französische Bulldogge Nikita kommt heute wegen Schmerzen beim Laufen und einer Bindehautentzündung, Frauchen Eva Klotz ist extra aus Lehnin angereist. Für Nikita gibt es Augentropfen und eine Spritze, für Eva Klotz das beruhigende Gefühl, dass sie hier in guten Händen ist. „Wenn noch mal was ist, werde ich wohl wieder hierher kommen“, sagt sie.
Klassische Weihnachtszeitfälle seien überfressene Tiere, berichtet Thomas Hanisch. Oder auch so etwas wie Futterunfälle: „Da frisst der Hund das Überraschungsei samt Plastikinhalt, oder der Gänseknochen bleibt im Rachen stecken.“ Und Katzen fressen gern Lametta, auch ein typischer Typus von Weihnachtspatient.
Von Adventskalendern für Hunde und Katzen, wohlmöglich noch mit Schokolade, hält der Tierarzt gar nichts. „Lieber öfter mal mit dem Tier spazieren gehen“, ist sein Tipp. Und wer zu Weihnachten Tiere verschenken will, sollte sich das vorher gut überlegen – und dann vielleicht gleich ein Fachbuch zur Pflege mit verschenken. Durch die Aufklärungsarbeit des Tierschutzvereins seien unüberlegte Schnellkäufe allerdings zurückgegangen, so Hanisch. Er warnt jedoch dringend davor, in letzter Minute aus Gefühlsduselei auf dem Parkplatz an der polnischen Grenze einen Welpen für das Enkelkind zu kaufen. „Die werden oft viel zu früh von der Mutter getrennt und sind vielleicht sogar krank und landen dann bei uns, nicht wenige sterben.“
Heute stehen in den modernen Behandlungsräumen zwei Kreuzband-OPs und eine Wirbelsäulen-OP an Hunden auf dem Plan, und natürlich schauen viele ambulante Patienten vorbei.
Rudolph, das Rentier, hoffentlich nicht. Der müsste dann sowieso in eine Station der Naturvereine, so Hanisch. Aber hoffen wir mal, dass Rudolph bis Weihnachten unversehrt bleibt. (Von Steffi Pyanoe)