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02.12.2009

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GESUNDHEIT: Der Irrglaube, die Krankheit sei heilbar

Zahlreiche Helfer und Politiker sammelten gestern am Welt-Aids-Tag Spenden / Aids-Hilfe betreut 55 Erkrankte

POTSDAM / INNENSTADT / MITTE - Silvio Soldner nimmt kein Blatt vor den Mund. „Ich habe selbst Aids, und trotzdem kommen sie zu mir und sagen, wir können doch auch ohne“, sagt der junge Mann offen. Er steht in der verregneten Brandenburger Straße zwischen den blinkenden Weihnachtsbuden und betreut den Infostand der Potsdamer Aids-Hilfe. Er ist einer von etwa 55 mit dem Virus Infizierten, um die sich der Verein kümmert, und einer derjenigen, die sich entschlossen haben, dem Verein etwas zurückzugeben und sich ehrenamtlich zu engagieren. Drei festangestellte Mitarbeiter, zwei von ihnen Sozialarbeiter, kümmern sich um die Belange von etwa 400 Betroffenen in ganz Brandenburg. Gestern, am Welt-Aids-Tag, nutzte Soldner die Gelegenheit, auf die immer noch tödliche Krankheit aufmerksam zu machen. Gemeinsam mit Sozialarbeiterin Sabine Frank und weiteren Mitstreitern der Aids-Hilfe Potsdam sowie Lokalpolitikern verteilte er an Passanten rote Schleifchen und bat um Spenden für den Nothilfefond des Vereins.

Zeitgleich lief eine Aktion in den Bahnhofspassagen. Dort versuchte Sozialarbeiterin Hortense Lademann, mit den Passanten ins Gespräch zu kommen. Manche hatten wenig Zeit, andere zeigten sich offen für dieses Thema. Die Prävention sei wichtig, betonte ein Mitglied des Vereins, der nicht müde wird, in Schulen und andere Einrichtungen zu gehen. Auch Hans-Wilhelm Dünn, der gestern für die Junge Union Schleifen verteilte, sagte: „Es ist eben nicht immer in der Schwulen- oder Drogenszene, sondern kann auf einer ganz normalen Schülerparty passieren. Die Politik darf das Thema nicht aus den Augen verlieren.“

Oft schleiche sich gerade bei Jugendlichen der Gedanke ein, dass Aids mittlerweile heilbar ist, so der Verein. Dabei sei es immer noch ein Virus, das das Abwehrsystem schädige. Frisch Diagnostizierte suchen dann oft Rat bei der Aids-Hilfe, manche brauchen einfach nur einen neuen Zahnarzt, andere nehmen die Hilfe des Vereins länger in Anspruch.

Mit den gesammelten Spenden soll der Nothilfefond aufgefüllt werden, aus dem Bedürftigen zum Beispiel Praxisgebühren oder die Fahrtkosten erstattet werden können; nicht wenige Betroffene kommen von weiter her.

Während Sozialdezernentin Elona Müller in der „Brandenburger“ Spenden sammelte, waren Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke), Arbeitsminister Günter Baaske (SPD) und die Bundestagsabgeordnete Andrea Wicklein (SPD) im Hauptbahnhof aktiv. Dort laufen seit Montag anlässlich des Welt-Aids-Tages im UCI-Kino Filme, die das Thema aufgreifen. Heute um 19 Uhr wird Karsten Heins „Am Rande – sechs Kapitel über Aids in der Ukraine“ gezeigt. Der Regisseur ist anwesend, ebenso die Organisation Connect Plus, die Hilfsprogramme für die Ukraine organisiert. (Von Steffi Pyanoe)


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