POTSDAM / INNENSTADT - Wenn Mode, oder wie es zeitgemäß heißen muss: Fashion, eine der kreativen Musen ist, dann war das Gastspiel der internationalen Modeschule ESMOD am Montagabend im Potsdamer Nikolaisaal ausgesprochen passend platziert. Das Konzerthaus mit seiner futuristischen Innenarchitektur war auch deshalb so passend für die „Charity Fashion Show Sainte Catherine 2009“, weil ihr Motto „An Odyssey to outer Space“ allein durch die Vielzahl der hier ansässigen Sternwarten und sonstigen Observatorien zu rechtfertigen wäre. Charity (Wohltätigkeit) und Mode als Odyssee im Weltraum, das klingt auf Englisch nicht schlecht, ist aber nach gründlicher Übersetzungsarbeit vielleicht ein wenig zu „upgespaced“, pardon – abgehoben. Aber Kleinlichkeit ist bei solchem Fashion-Event ohnehin fehl am Platz, und dass mit dem trivialen Deutsch der Elterngeneration international kein Blumentopf zu gewinnen ist, wissen vor allem junge Leute.
Internationalität aber ist auch das Image des Veranstalters, denn ESMOD ist nicht nur in seinen germanischen Standorten Berlin und München heimisch, sondern unterhält 21 Fashion-Schmieden in der weiten Welt. Paris, Sao Paulo, Tokyo… und nun zumindest für einen Abend …Potsdam. Natürlich war nicht jedem Ferngereisten im gut gefüllten Nikolaisaal klar, dass man nicht in Berlin war, aber weil Englisch ohnehin als einzig seriöse Umgangssprache fungierte, verflüchtigten sich solche Details bald.
Auch auf der Bühne wurde gleich nach der Begrüßung der Gäste durch ESMOD-Chefin Sylvia Kadolsky zügig agiert: Futuristisch inspirierte Space-Fashion marschierte in Zugstärke auf. Meist junge, schlanke Damen und vereinzelt Herren boten einen Anblick, wie er selbst auf Captain Kirk vom Raumschiff Enterprise überraschend gewirkt hätte: Da stiefelte ein Herr mit betonklotzartigen Sandalen über die Bretter; ihm folgte eine zerbrechliche Schönheit, die ihren Oberarm durch eine fußballgroße Planetenimitation gesteckt hatte. Raumanzugähnliche, silbern glänzende Körperschalen, aus denen wohlgeformte lange Beine in Seidenstrümpfen herauslugten, wechselten mit vergoldeten Extremitäten, auf denen kleiderähnliche Kreationen schwebten, die ein ganz und gar irdisches Gesicht zierte. Viele Damen wirkten wie Zwitter aus Kosmonautin und Shakespeare-Theatersternchen im Außeneinsatz einer russischen Raumstation. Eine wahre Pracht waren auch die vielen originellen Frisuren und die selbstbewussten, eleganten Bewegungsabläufe, mit denen die oft sehr steifen Körperhüllen durch den Raum getragen wurden. Die Charity kam dann bei dieser im Dauerbeifall badenden Fashion-Show in Gestalt eines Schecks auf die Bühne, als das aus Kenia stammende Ex-Model Waridi Schrobsdorff für den i-magine -Verein 3500 Euro Empfang nahm. (Von Lothar Krone)
Foto: Joachim Liebe