Das Karlsruher Verfassungsgerichtsurteil zu den Berliner Sonderöffnungszeiten sorgt auch in Potsdam für Unruhe. Wolfgang Cornelius, Chef der Händlergemeinschaft AG Innenstadt, sieht es als „Katastrophe“, auch nur einen der vier verkaufsoffenen Adventssonntage wegzulassen. „Das haben uns die Berliner eingebrockt“, schäumte er gestern: „Die machen bei jedem Pieps und Pups auf. Die Kirchen waren schon immer gegen diese Sonntage; jetzt ist denen der Geduldsfaden gerissen.“ Cornelius sieht die Adventszeit als Hauptgeschäft des Jahres: „Sowohl die stationären als auch die fliegenden Händler brauchen diese Sonntage.“ In der City seien die Läden sonntags von 13 bis 18 Uhr auf. Wenn das Gerichtsurteil tatsächlich nur auf Öffnungszeiten ab sieben Stunden abhebt, sei das für Potsdams Adventszeit kein Problem. Vorstellbar sei, pro Sonntag eine Stunde weniger zu öffnen als geplant. Generell sind die verkaufsoffenen Sonntage in Potsdam wie in Berlin von 13 bis 20 Uhr genehmigt.
Stern-Center-Manager Stephan Raml will die Auslegung des Karlsruher Urteils erst noch abwarten. Für den Handel sei die Vorweihnachtszeit enorm wichtig, sagte er gestern der MAZ. Die offenen Sonntage würden durch die Kunden bisher lebhaft angenommen und hätten große Anziehungskraft auch für das Umland Potsdams. „2008 hatten wir ein hervorragendes Verkaufsergebnis; das dürfte auch 2009 wieder so werden“, sagte Raml. Das Center komme im Gegensatz zu Berlin nicht auf zehn verkaufsoffene Sonntage und habe dann statt erlaubter sieben nur fünf Stunden auf, von 13 bis 18 Uhr. Auch Jana Walther, Managerin der Bahnhofspassagen, schwört auf das Weihnachtsgeschäft. „Das Urteil ist ein Rückschritt für den Einzelhandel“, sagte sie der MAZ. Man müsse die Auslegung des Urteils abwarten und eine Stellungnahme des Landes Brandenburg dazu. Die Läden der Bahnhofspassagen hätten an den offenen Sonntagen ohnehin nur von 13 bis 18 Uhr auf.
Der evangelische Stadtkirchenpfarrer Markus Schütte dagegen begrüßt das Urteil als „Gewinn für die meisten Menschen. Wir brauchen eine Struktur der Zeit, einen Rhythmus zwischen Arbeit und Freizeit.“ In der Woche und am Samstag gebe es genug Einkaufsmöglichkeiten, sagte Schütte. Das Thema werde auch innerhalb der Kirche heftig diskutiert, in der Jungen Gemeinde etwa. (rai)