POTSDAM / INNENSTADT - Die Stadt soll einen Skulpturenpfad am Havelufer entlang von der Freundschaftsinsel bis zur Schiffbauergasse bekommen. Das wird in einem mehrseitigen „Umsetzungskonzept bildende Kunst“ der Kulturverwaltung vorgeschlagen, das gestern in der Stadtverordnetenversammlung ausgereicht wurde. Mit diesem Konzept sollte die Verwaltung laut Stadtverordnetenbeschluss einen Rahmenplan zur Förderung und Unterstützung bildender Kunst für die nächsten fünf Jahre vorlegen.
Anfang und Ende des Skulpturenpfades sind mit den zur Bundesgartenschau 2001 neu gruppierten Skulpturen auf der Freundschaftsinsel, sowie den phantasievollen Schöpfungen Dennis Oppenheims auf der Wasserseite des Fluxus-Museums und der „Weltbank“-Skulptur vor dem Hans-Otto-Theater bereits benannt.
Mit dem Skulpturenpfad, der laut Konzept in einem Zeitraum von sieben bis zehn Jahren entstehen soll, könnte der Bestand an Kunst im öffentlichen Raum wesentlich ergänzt und bereichert werden. 180 Kunstwerke gibt es derzeit auf städtischen Wegen, Plätzen und Parkanlagen. Derzeit stehen der Stadt für deren Pflege 6000 Euro pro Jahr zur Verfügung. Für den Skulpturenpfad sollen dem Konzept zufolge zusätzliche 30 000 Euro pro Jahr zur Hälfte von der Stadt, zur Hälfte vom Land aufgebracht werden.
Als Wege zur Anschaffung der neuen Kunst werden der direkte Ankauf regionaler und internationaler Kunstwerke, ein neues Programm zum Arbeitsaufenthalt von Bildhauern in der Schiffbauergasse und ein öffentlicher Wettbewerb genannt. Als Beispiel denkbarer Beiträge von Privatpersonen oder Einzelinitiativen wird ein Spendenprojekt des Potsdamer Kunstvereins zur Aufstellung einer Skulptur des Potsdamer Künstlers Marcus Golter in der Schiffbauergasse genannt.
Die 310 Zentimeter hohe Betonskulptur „Klone“ aus dem Jahre 2005 besteht aus sechs seitlich aufeinander lagernden, von der Last des Denkens leicht geplätteten Köpfen mit unterschiedlich herausgearbeiteten, teils auch gänzlich verborgenen Gesichtszügen. Die punktuell vergoldete Arbeit ist ein ironischer Kommentar auf die moderne Wissensgesellschaft mit ihren Chancen, Risiken und Wirrungen.
Handlungsbedarf signalisiert das „Umsetzungskonzept bildende Kunst“ bei den wenigen Ausstellungsräumen, die direkt oder indirekt der Stadt gehören. „Sehr veraltet“ sei die Ausstellungstechnik des Pavillons auf der Freundschaftsinsel, „momentan“ der „einzige städtische Raum, der für zeitgenössische bildende Kunst zur Verfügung steht“. Für den Pavillon wird in dem Konzept unmittelbar zum nächsten Jahr der Bedarf für ein neues Ausstellungssystem angemeldet.
Zweiter Problemfall ist dem Papier zufolge der Kunstraum in der Schiffbauergasse, der nach umfangreicher Sanierung durch die Waschhaus gGmbH in Kooperation mit anderen Partnern bespielt wird. Dazu jedoch gibt es nun harsche Kritik: Das „ursprünglich angedachte Konzept mit internationaler Ausrichtung konnte bisher nicht in zufriedenstellendem Umfang umgesetzt werden“, heißt es in dem Papier. Der Kunstraum müsse sich zu einem zentralen Ausstellungsraum für die aktuelle zeitgenössische Kunst profilieren. „In der Öffentlichkeit“ jedoch werde er „nach anfänglich hohen Erwartungen als solcher kaum mehr wahrgenommen“. Zum Finden „neuer Lösungsansätze“ empfiehlt die Kulturverwaltung nach mittlerweile gut dreieinhalbjährigem Betrieb die Zusammenarbeit mit einer „externen Jury“. Offen gelassen wird, ob das Waschhaus die Federführung beim Betrieb dieser Galerie behalten soll.
Keine Erwähnung findet in dem Rahmenkonzept die geplante Galerie für zeitgenössische Kunst, die in dem für das Potsdam-Museum umgebauten Alten Rathaus untergebracht werden soll. Wie berichtet, hofft die Stadt, das Alte Rathaus Ende 2011 in der neuen Funktion eröffnen zu können.
Schon für das kommende Jahr ist die Auslobung eines Preises für bildende Kunst geplant, der mit 3000 bis 5000 Euro dotiert werden soll. Verstärkt unterstützen will die Stadt Künstleraustauschprogramme. „In den nächsten Jahren“ soll es dafür zunächst ein „umsetzbares Konzept“ geben. Die Frage nach der Bereitstellung zusätzlicher bezahlbarer Atelierräume in der Stadt wird mit Raumreserven bei der „Ateliergemeinschaft Panzerhalle“ in Groß Glienicke beantwortet, an der zur Zeit 14 Künstler beteiligt sind.
Als Beispielfall für die Schaffung neuer Räume wird das Projekt „Temporary Art Zone“ (TAZ) des Vereins Trollwerk genannt. Dieser hatte im August mit Unterstützung von Stadt und Land mit einem umgebauten Frachtcontainer auf dem Schirrhof in der Schiffbauergasse eine neue Galerie auf Zeit eröffnet, die sich als Modell offenbar bewährt hat. Die Kulturverwaltung schreibt in ihrem „Rahmenkonzept“: „Eine Erweiterung auf zwei bis vier TAZ-Container in 2010 ist denkbar.“ Wie berichtet, plant Trollwerk mit dem Containerpark auf dem Schirrhof ein neues Kulturzentrum, das im Zusammenspiel mit den umliegenden Kulturveranstaltern zusätzliches Publikum anziehen könnte. (Von Volker Oelschläger)