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05.12.2009

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AUSGELESEN: EROTIK

Verpackt

Auch der Sex ist manchmal ein Geschenk, das man garnieren will: BH mit Schleifchen, Slip mit Rüschen. Man braucht etwas zum Anziehen, um es kunstvoll ausziehen zu können. Emma, Schneiderin von raffinierter Unterwäsche, sitzt in der Dienstleisterfalle: Sie zaubert die Dessous fürs Glück der Kunden, doch ein Prinz fürs eigene Leben lässt sich nicht nach Maß anfertigen. Es gibt Rick – zu alt, zu sprunghaft. Und es gibt Milosch – schüchtern, doch zum Glück verführbar. Vor allem aber gibt es explizite Sexszenen, die Annika Hennebach hautnah und fantasievoll schildert. Ihre Prosa aber ist keine Literatur, dafür fehlt ihr die Doppelbödigkeit und das Subtile. Einen tabulosen Lore-Roman hat sie geschrieben, absehbar, doch hübsch verpackt.

Verplant

Gleich dreimal dekliniert Victoria B. Robinson die Möglichkeiten körperlicher Liebe durch: Lea hat sich in Dave verguckt, den Kerl mit wilden Rastalocken, für den sie ihren Freund betrügt – denn Dave verheißt ein Leben hinterm Regenbogen: bunt, burlesk und voller unkonventionellem Sex. Tine jobbt im Sonnenstudio, doch die Sonne geht erst richtig auf, als dieser Mann mit breiten Schultern und dem breiten Grinsen auftaucht: Ein Casanova ohne Skrupel, der mit Tine im Separee der Sonnenbank zur Sache kommt. Paula schließlich sucht den Kitt zu Ole, mit dem sie zwar ins Bett geht, sonst aber geht nicht viel mit diesem Mann. Recht pädagogisch und nahezu moralisch fühlt Robinson den Männern auf den Zahn: viel Sex und manchmal heiße Luft.

Verkrampft

Dieser Mann meint es ernst. Das will was heißen, denn Männer gehen Frauen oftmals an die Wäsche, doch das hat nichts zu sagen – denn der Mann streut seinen Samen gerne, heute hier und morgen da. Hans-Joachim Maaz schreibt den folgenden, metaphysisch anmutenden Satz zwar erst auf Seite 124, doch er steht da wie in Stein gemeißelt: „Sexuelle Lust ist an vertrauensvolle Hingabe und angstfreies Loslassen gebunden. Ist dies nicht gewährleistet, bleibt der Sex stressig, verkrampft, begrenzt und verliert infolgedessen seine wichtigsten Funktionen: Lust und Entspannung.“ Das klingt nach alter Schule, beinahe auch nach der Gebrauchsanweisung für die Spülmaschine: „So erzielen sie das beste Waschergebnis.“ Doch vielleicht tut dieses Buch von Maaz tatsächlich not. So steif es oftmals klingt, will der Psychiater uns den Kopf waschen. Sex ist etwas Schönes, sagt er, verpackt das in Kapitel wie „Die Lust entsteht im Kopf“ oder „Erektion und Beziehung“. Er meint es ernst, zu ernst mitunter. Lockerheit predigen, doch mit altväterlichem Vokabular ankommen – da beißt sich die Katze in den Schwanz. Maaz schreibt Erich Fromms „Die Kunst des Liebens“ fort, dieses Standardwerk von 1956. Nur ein freier Mensch kann frei lieben, so ging Fromms (nein, die Kondome hat er nicht erfunden) Tenor, Maaz überträgt das auf unsere Tage; ehrenwert, doch ohne eine wirklich krampflösende Wirkung. Und wer wollte schon bestreiten, dass unsere Sexualität, befeuert von Titel- und Tittenblättern, tatsächlich krampfig ist?

Verglichen

Wie war ich? Tolle Frage. Müßige Frage. Männerfrage, auf die es nichts zu sagen gibt. Die ohnehin nie vorkommt, nur in schlechten Filmen, im Sendegebiet also von RTL 2. Sigrid Neudecker aber kommt von der „Zeit“, dem medialen Gegenstück von RTL 2. Nun ist die „Zeit“ nicht das Zentralorgan des nackten, ungehemmten Fleisches, doch Neudecker trifft einen Nerv unserer Sexualität: Jede Studie zur Penisgröße macht uns kleiner. Jede empirisch ermittelte Beischlafquote macht uns schlafloser. Sind wir normal? Können wir noch? Schatz, gleich noch einmal, sonst landen wir im hinteren Mittelfeld! Die öffentliche Geschwätzigkeit über den Sex nimmt uns die Lust. Leider lästert die eloquente Autorin recht ausführlich, und zu viel Lästerei ist: langweilig.

Verliebt

Sex ist toll. Kamasutra aber ist ziemlich schwierig. Wo zum Beispiel liegt der Unterschied zwischen „Der gespaltene Bambus“ und der „Pferdestellung“? Akrobatische Finessen machen den Kohl beim Sex nicht fett. Darum listet das Kompendium „Ein Paar – Ein Buch“ nicht nur das Kamasutra auf, sondern auch die Rubrik „Keinen Sex haben“ – was trügerisch klingt. Denn Bill Clinton wird zitiert, der zunächst beschwor, mit der Praktikantin Monica Lewinski „keinen Sex“ gehabt zu haben. Das Protokoll des Weißen Hauses indes hat nachgewiesen, dass Lewinski 37 Mal nach ihrem Praktikum ins Oral Office kam. Kein Sex also ist auch keine Lösung. Doch das Buch hat weitere schöne Vorschläge für Paare: „Käse und Wein genießen“ etwa. (lg, Lars Grote)


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