5. Es war Heiligabend, und es war einer ihrer schönsten Aufträge. „Der Mann rief spontan an und wollte noch eine Begleitung“, erzählt Isabelle Rozier. Die Agenturchefin startete einen Rundruf unter ihren „Mädels“, als dem Potsdamer einfiel, dass noch ein Kumpel käme. Also fuhr Rozier gemeinsam mit Kollegin Nelly los. „Ein junger, gut aussehender Mann, der in mein Beuteschema passte, öffnete die Tür zu einer tollen Wohnung. Unabgesprochen setzte sich Nelly auf die eine Ledercouch, ich auf die andere“, erinnert sich die 42-Jährige. Die Wahl lag bei den Herren, und zu Roziers Freude kam „Mister Beuteschema“ auf sie zu. Man trank Champagner, dann nutzte das Kleeblatt die leere Flasche zum Flaschendrehen. Als nicht mehr viele Kleidungsstücke übrig waren, splittete sich das Quartett in Duos auf. „Wir blieben vor dem Kamin. Nach einer Stunde wurde das ganz schön heiß“, lacht Rozier ein kehliges Lachen. Wie sitzen im „Daily Coffee“, sie kommt gerade von einem Dreh mit Kanadiern.
Feiertagsaufträge sind die Ausnahme für die Begleit-Agentur von Rozier, die als Lisa zu finden ist, wenn man im Internet nach Belle Escort sucht. Weihnachten ist nicht das Fest der käuflichen Liebe. „Da sind unsere Kunden zu Hause bei Frau und Kind und können nicht anrufen“, sagt Lisa. Dennoch hält sie Nikolausdessous – natürlich in rot und weiß – parat. „Manche Kunden stehen auf dominante Damen. Aber dass dabei mal die Rute des Weihnachtsmannes zum Einsatz gekommen wäre, wüsste ich nicht“, erzählt sie. „Die Idee ist aber nicht schlecht!“ Erst als 39-Jährige hat Rozier, die einen deutschen und einen französischen Pass hat, den Schritt ins Gewerbe getan. „Ich habe immer viel in meine Beziehungen investiert, emotional und finanziell“, sagt die bisher zweimal Verheiratete. „Nachdem wieder etwas in die Brüche gegangen war, wusste ich, dass Spielen in Ordnung ist. Aber nicht für Pommes und eine Cola. Wenn ich das Herz nicht bekommen kann, dann eben etwas anderes.“ Die Tätigkeit sei nicht viel anders als die Immobilienbranche: Früher habe sie Exposees geschrieben, heute seien es Profile für ihre 90 Mädchen. Sohn und Tochter wissen Bescheid.
Am liebsten sind Rozier die Männer, die sich Zeit lassen, die sie für vier bis sieben Stunden buchen. „Dann kann sich die Erotik langsam aufbauen, das ist mein Kick.“ Für ein zwölfstündiges Treffen von abends bis morgens werden 1750 Euro fällig – ihr „Juwelentarif“, sagt sie. Dessen Höhe sei nicht verhandelbar. Der Spitzenauftrag brachte einem ihrer Mädel einst 10 000 Euro für eine Urlaubsbegleitung.
Witzig seien Treffen, bei denen der Mann derartige Dienste erstmals in Anspruch nimmt. „Einer traute sich mal nicht. Ich musste aber anfangen, weil die Zeit ablief. Als er im Bad verschwand, hatte ich nur eine Minute, um mich in Dessous auf dem Bett zu drapieren.“ Ihr Satz „Jetzt gibt es Dessert“ löste die Blockade. „Er war so begeistert, dass es vorbei war, noch ehe er die Jeans ausgezogen hatte.“ (Von Sebastian Scholze)
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