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08.12.2009

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AUSSTELLUNG: Die Burg des Bildhauers

Berlins Kolbe-Museum feiert in diesem Jahr gleich zwei runde Jubiläen

BERLIN - Zum 60. gab es Radieschen auf einer Zeitung. Gemalt, versteht sich, keine echten. Bekam der Bildhauer Georg Kolbe sie 1937 doch von seinem Freund, dem Maler Karl Schmidt-Rottluff, geschenkt. Das Blatt hängt im ehemaligen Wohnatelier Kolbes und der Anlass ist wieder ein 60. Jahrestag. Wurde 1949 doch die testamentarisch vom Künstler verfügte Georg-Kolbe-Stiftung gegründet. Exakt 20 Jahre, nachdem der Künstler sein Atelierhaus in der Sensburger Allee bezogen hatte. Das Kolbe-Museum begeht die zwei Jubiläen nun mit der Ausstellung „Atelier Georg Kolbe – Werkstatt und Wohnung“.

Nach dem Tod seiner Frau Benjamine 1927 gibt Kolbe die repräsentative Wohnung im Berliner Tiergartenviertel auf und kauft sich ein Grundstück im Westend. Er will der verstorbenen Gattin nahe sein, die auf dem Friedhof an der Heerstraße beigesetzt wird. Den Architekten Ernst Rentsch, den er gerade porträtiert hat, beauftragt er mit der Planung für ein neues Wohn- und ein Atelierhaus. Kolbe selbst nennt das Haus in Anspielung auf die Sensburger Allee nur seine „Burg“.

Es entsteht ein exemplarisches Ensemble der Neuen Sachlichkeit, das heute Besucher in seinen Bann zieht, früher aber mit seiner modernen Kubatur auf Widerstand stieß, wie Beschwerden eines Nachbarn beweisen. Der sieht sogar den Wert seines Grundstücks dadurch gemindert. Als Kolbe sein Atelier durch den Architekten und Bauhausschüler Paul Linder 1932/33 erweitern lässt, protestiert er, der „gewerbliche Bau“ mit seinem Ziegelmauerwerk und dem großen Garagentor entspreche nicht dem üblichen „Charakter eines Villengrundstücks“.

Bis zu seinem Tod 1947 wohnt Kolbe im Atelierhaus, während seine Tochter Leonore mit ihrem Mann, dem Maler Kurt von Keudell, das eigentliche Wohnhaus nebenan bewohnt. Die Jubiläumsausstellung zeigt ein leichtes Gemälde, mit dem der Schwiegersohn den Rohbau des Hauses festhielt, neben den Bronzeporträts, die Kolbe von seiner Familie anfertigte und den Werken, die sich in seiner eigenen Kunstsammlung befanden. „Absteigende Kühe“ von Ernst Ludwig Kirchner, eine „Allee beim Jagdschloss Dreilinden“ von Max Liebermann sowie Zeichnungen, die Kolbe vom Besuch Rodins 1908 aus Meudon mitbrachte.

Im Hauptraum des großen Bildhauerateliers wird der Versuch unternommen, mit Hilfe von historischen Fotografien eine Ateliersituation wie in Kolbes Zeiten zu rekonstruieren. Gipsmodelle der „Jungen Frau“ von 1926 stehen neben der sinnlichen „Niedersinkenden“ von 1927. Ein bewegliches Gerüst ist zu sehen, mit dem der Bildhauer seine Tonmodelle fixierte. Auf Tafeln werden Sandguss- sowie Wachsausschmelzverfahren kurz, aber anschaulich erläutert. Dass zeitgleich in einer zweiten Ausstellung im Haus der Berliner Fotograf Manfred Hamm heutige Künstlerateliers dokumentiert, spannt den Bogen auf wunderbare Weise in die Gegenwart.

„Atelier Georg Kolbe – Werkstatt und Wohnung“: Georg-Kolbe-Museum, Sensburger Allee 25/26, Berlin-Charlottenburg. Di-So 10-18 Uhr. Bis 17. Januar 2010. (Von Welf Grombacher)


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