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09.12.2009

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UNGLÜCK: Aus dem Spiel wurde tödlicher Ernst

Ein 14-Jähriger aus Schönwalde-Glien ist bei einem Würgespiel ums Leben gekommen

FALKENSEE - Jacob war ein lebensfroher Junge, beliebt bei seinen Mitschülern. Er war ganz vernarrt in den Modellflugzeugsport und ließ keinen Zweifel daran: Er würde Pilot werden. Doch nun ist Jacob tot. Gestorben an seiner Neugier, an der Lust, es auch einmal zu versuchen, was im Internet derzeit als Mutprobe gepriesen wird: Würgespiele.

Der Junge, der in der Gemeinde Schönwalde-Glien lebte und Schüler der 8. Klasse des Lise-Meitner-Gymnasiums Falkensee war, wurde am späten Freitagabend von seiner Mutter tot in seinem Zimmer aufgefunden. Sie war gerade von einer Weihnachtsfeier zurückgekehrt, sah noch Licht im Haus und wollte sich bei ihrem Sohn zurückmelden. Doch Jacob gab kein Lebenszeichen mehr von sich. Er hatte offenbar auf Knien versucht, sich mit einer Schnur zu würgen, war dabei ohnmächtig geworden und konnte damit das gefährliche Spiel der Grenzerfahrung nicht mehr rechtzeitig stoppen. Er wäre in wenigen Tagen 15 geworden.

Der eingeschaltete PC und die aufgerufene Internetseite gaben offenbar Aufschluss über die Umstände: Dort erhielt man Anleitung für derartige Mutproben, die vor allem Jugendliche dazu verführen, ihre Grenzen auszureizen. Die Polizei, die gegen Mitternacht eintraf, schloss Suizid oder Fremdverschulden aus. Dennoch, so Polizeisprecher Dietmar Keck, ermittle die Kriminalpolizei.

Am Falkenseer Lise-Meitner-Gymnasium hatte man am Montag entsetzt und betroffen die Nachricht von Jacobs Tod aufgenommen. Für seine achte Klasse und die neunte, die er wegen eines Auslandsschuljahres in Australien verlassen musste, fiel am Montag der Unterricht aus. Die beiden Klassenleiter, die Religionslehrerin und die Schulsozialarbeiterin nahmen sich der verstörten Mitschüler an und regten auch den Trauergottesdienst an, der gestern Abend in der Falkenhagener Kirche stattfand.

„Wir gehen sehr offen mit diesem Vorfall um“, bekannte Schulleiter Heinz Bonorden-Lindner, dem dieses Unglück schwer auf der Seele lastet. Dass sich solche gefährlichen Spiele derzeit unter Jugendlichen häufen, hatte der Direktor erst kurz zuvor erfahren – aus der MAZ, die von einem ähnlichen Fall aus Frankreich berichtete –, „wenngleich das Suchen nach Grenzerfahrungen in diesem Alter so unüblich nicht ist“, so Bonorden-Lindner. In einem Gespräch mit Jacobs Mutter vereinbarten man, an die Öffentlichkeit zu gehen. „Dieses Spiel ist hochgefährlich“, sagt Jacobs Mutter. „Wir müssen andere schützen. Dringend.“ (Von Hiltrud Müller)


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