MAZ: Frau Poppe, Sie sollen Stasi-Beauftragte werden. Was gab den Ausschlag, das Angebot anzunehmen?
Ulrike Poppe: Zunächst ist es eine große und nicht leichte Aufgabe. Ich habe auch anfangs ein wenig gezögert. Vieles ist in Brandenburg bisher unter den Teppich gekehrt worden. Was sich bitter rächt, wie wir an den jüngsten Ereignissen im Landtag sehen.
Was glauben Sie bewirken zu können?
Poppe: Ich will versuchen, eine Atmosphäre zu schaffen, in der offene und sachliche Kontroversen über die Vergangenheit stattfinden können. Statt Pauschalbeurteilungen und Schwarzweißbilder möchte ich eine Differenzierung ermöglichen, die den Menschen, die unter Diktaturverhältnissen leben mussten, gerecht wird. Ich sehe meine Aufgaben auch darin, dazu beizutragen, dass die Leiderfahrungen und Widerstandsgeschichte der Opfer der Diktatur gewürdigt werden. Was frühere Stasi-Tätigkeiten betrifft, so werde ich mich dafür einsetzen, dass immer im Einzelfall Art und Umfang dieser Tätigkeit geprüft werden. Entscheidend aber sollte sein, wie sich der Betreffende in den letzten 20 Jahren dazu verhalten hat.
20 Jahre gab es in Brandenburg keinen Stasi-Beauftragten. Kommt der Posten jetzt nicht viel zu spät?
Poppe: Er kommt sehr spät. Es ist viel Versäumtes nachzuholen. Der Bedarf besteht weiterhin sehr deutlich. Deshalb ist es nicht zu spät.
Wo wollen Sie als Landesbeauftragte besondere Akzente setzen?
Poppe: Wo ich die Gewichte genau legen werde, muss ich sehen, wenn ich mich eingearbeitet habe. Bis jetzt bin ich ja noch nicht einmal gewählt. Es geht um die Opfer der SED-Diktatur, denen zu ihrem Recht verholfen werden muss. Ich will eine öffentliche Auseinandersetzung über Leben in der Diktatur und deren Folgen in Gang setzen. Dann glaube ich, muss einiges in den Schulen getan werden. Ich bin hin und wieder in brandenburgischen Schulen unterwegs gewesen und habe mitbekommen, dass Schülerinnen und Schüler sehr interessiert sind, aber wenig über die SED-Diktatur wissen. Oder nur etwas von ihren Eltern am Abendbrottisch hören, was sie mit der offiziellen Geschichtsdarstellung nicht zusammenbekommen.
Wie sehen Sie die Stasi-Debatte in Brandenburg? Wie groß ist der Imageschaden?
Poppe: Auf jeden Fall gibt es einen Imageschaden. Ich will daran mitwirken, dass Brandenburg von dem Stigma der Verklärung und Verweigerung gegenüber der DDR-Vergangenheit befreit wird.
Wer hat Sie eigentlich zuerst gefragt, ob Sie den neuen Posten übernehmen würden?
Poppe: Das war der Innenminister Speer. Danach hatte ich auch ein Gespräch mit Ministerpräsident Platzeck. Ich habe mich dann mit verschiedenen Leuten beraten und entschieden.