Suche der Märkischen Allgemeinen:

Suchbegriff eingeben und abschicken
Auswahl der Suchkategorie

Wetter in Brandenburg:

2ºC
Symbol: aktuelles Wetter in Brandenburg

Metamenu:


Sie befinden sich hier:

  1. » Märkische Allgemeine
  2. » Lokales
  3. » P.-Mittelmark
  4. » Lokalnachrichten
24.12.2009

Beitragsfunktionen:

TRADITION: Reformatoren haben Bescherung verlegt

Verschiedene Weihnachtsbräuche sind überliefert

BELZIG - Mit dem ersten Schnee kam laut Überleiferung der Weihnachtsmann vom Himmel. Knecht Ruprecht oder der mit ihm identische Weihnachtsmann ritt mit einem Schimmel (in Wiesenburg, Dahnsdorf, Niemegk und Blönsdorf hieß es: hei komm upm Schimmel jerädn). Um ein Schimmelgespann mit Wagen und Schlitten handelte es sich in Bias, Göritz und Jeserig/Fläming.

Zur Weihnachtszeit feierten die Germanen das Fest der Wintersonnenwende. Dann hielt Wodan als Schimmelreiter seinen Umzug. Und so hieß der Weihnachtsmann vor langer Zeit in Grimme und anderen Dörfern Zerbst-Anhalts. Die Wurzeln christlichen Glaubens zur Erinnerung an den Palmsonntag ließen ihn auf einen Esel reiten und in Ihlow erschien der Weihnachtsmann zu Fuß.

Auf der Erde in Belzig angekommen ließ sich der Gabenbringer im Turm der Marienkirche nieder und bastelte die Spielsachen für die Kinder: Säbel, Trommel und Gewehr in der Kaiserzeit für die Buben und für die Mädchen die Puppen und die Puppen- oder Kaufmannsstube – vorauseilendes Rollenspiel für Hohenzollerns Familienbild.

Als Weihnachtsmann verkleidete Leute gingen am Heiligabend zu befreundeten Familien und teilten Pfefferkuchen, Äpfel und Nüsse zu den anderen schönen Dingen aus. Weniger begüterte Familien dachten bezüglich der Bescherung auch oder nur an Unter- und Oberbekleidung der Kinder.

Der Weihnachtsbaum als uraltes heidnisches Utensil galt als Symbol für das unaufhörliche Walten der Gottheit in der scheinbar toten Natur mit der Hoffnung auf das junge Grün des kommenden Frühlings.

Um sich schärfer vom Katholizismus zu trennen, hatten die Reformatoren im 16. Jahrhundert viel Beiwerk des Weihnachtsfestes zu tilgen versucht und die am Nikolaustag (6. Dezember) übliche Bescherung auf den Heiligen Abend verlegt, um dadurch dem wichtigsten Fest der Christenheit in den Augen der Kinder eine höhere Bedeutung zu geben. Nur der Baum überstand die Bilderstürmerei des Spätmittelalters, weil sie dem Baum eine mehrfache symbolische Bedeutung beilegten.

In Belzig wurde der für die Bescherung gekaufte Weihnachtsbaum in der Nacht vor dem Heiligen Abend vor das Haus gestellt, damit der Weihnachtsmann ihn anputze. Auch wurde das Fenster geöffnet, um den Weihnachtsmann damit den Eingang in das Haus zu gewähren. Eine mit Futter gefüllte Krippe wurde damals auch vor das Haus gestellt, damit der Schimmel fressen konnte. Je größer die Futtergabe war, desto größer fielen die Gaben aus, die der Weihnachtsmann brachte.

Neben der Standardausstattung wie den Hampelmann kamen immer wieder Neuheiten auf den weihnachtlichen Spielzeugmarkt. 1824 erschien aus dem Österreichischen die erste „Mama“ sprechende Puppe. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen erste Spiel-Eisenbahnen aus England auf den Markt und Hoffmanns „Struwwelpeter“ trat seinen Siegeszug unter die Weihnachtsbäume an. 1915 stutzten zwei kernige Unteroffiziere die bösen Buben zu adretten Soldaten zurecht. 1910 erschienen im Württembergischen kleine Plüschbären mit beweglichen Gliedern.

Es war vor vielen Jahrzehnten Usus, dass die größeren Kinder der Stadtarmut der Kleinstädte sich von den Mittelbauern mit Naturalien des Schlachtens und Backens beschenken ließen, bei denen die Familie als Saisonhelfer tätig war. Beladen, glücklich und durchfroren kamen sie oft noch in Pantinen nach mehrstündigem Weg in die Flämingstädte zurück. Die größeren Mädchen hatten schon Teile der zukünftigen Ausstattung im Gepäck.

In der Heiligen Nacht ging der Hausvater in den Garten, schlang um jeden Baum ein Strohseil und schüttelte die Zweige. Der betreffende Baum dankte dafür im kommenden Jahr mit reichlichem Ertrag. Am ersten Feiertag besuchten die kleineren Kinder ihre Paten, brachten sich freundlich in Erinnerung und erhielten eine Stolle oder anderes Naschwerk.

Das Festessen des 1. Feiertages bestand im alten sächsischen Belzig am Mittag aus weiblichen Karpfen, abends dagegen pflegte man einen Apfelsalat mit weiblichen Heringen zu essen. Die zahlreichen Eier des Rogens deuteten auf Wohlhabenheit oder gar Reichtum im kommenden Jahr hin. Später wurde das Festessen durch Gänsebraten mit Grünkohl abgelöst. Dagegen durfte man, einem weitverbreiteten Volksglauben nach, in den Zwölften keine Erbsen, Linsen oder andere Hülsenfrüchte essen.

Überhaupt sind diese Zwölften, welche mit dem Heilig-abend beginnen und mit dem Dreikönigsabend enden, die geheimnisvolle Zeit des Kirchenjahres. Nach ihnen glaubte man das Wetter jedes Monats des kommenden Jahres vorausbestimmen zu können und das Sprichwort sagt: „Wie sich das Wetter vom Christtag bis Dreikönig (6. Januar) hält, so ist das ganze Jahr bestellt.“

Ein anderes Sprichwort sagt: „Die Tage werden länger, Weihnacht um einen Mückenschritt, Neujahr um einen Hahnentritt, Dreikönig um einen Hirschensprung, Lichtmess (2. Februar) um eine ganze Stund’.“ Was man in den Zwölften träumte, sollte sich der Reihe nach in den 12 Monaten des neuen Jahres verwirklichen, wenn auch nicht alles so doch die Träume der Christnacht, der Neujahrsnacht und der Dreikönigsnacht.

Überhaupt sollten die Zwölften dazu dienen, Resümee zu ziehen, was man als tätiger Christ im neuen Jahr noch besser machen könnte. Vorsätze waren angesagt!

In dieser Zeit der Besinnung sollte nicht gewaschen werden, sonst stirbt jemand (Coswig, Göritz, Cobbelsdorf) oder es bringt sonst ein Unglück (Wittenberg). Vielfach beschränkte sich dieses Verbot auf das Waschen von Bettwäsche (Grimme, Grubo, Rädigke). Blieben die Wäscheleinen über die Weihnachtstage hängen, so hänge sich jemand auf (Belzig, Borne, Hundeluft). Auch andere Arbeiten wie Pflügen, Mist breiten, Stricken, Flicken und Spinnen wurden bis nach dem 6. Janaur verschoben. In Mecklenburg war es gar verboten, bestimmte Tiere beim rechten Namen zu nennen, und wer nicht „Langschwanz“ statt Fuchs, „Bönlöper“ (Getreide-Bodenläufer) statt Maus sagte, zahlte eine Geldstrafe, die später vertrunken wurde.

Zahlreiche Sagen berichten über die üblen Folgen, welche sich die Übertreter der mannigfachen, während der Zwölften geltenden Vorschriften zugezogen haben, und besonders der Wode oder wilde Jäger, der an der Spitze seines wütenden Heeres durch die Lüfte braust, wie die Fru Gode oder Frau Holle strafen beide jeden Fürwitz der Menschen unnachsichtig.

Vieles vom früheren Brauchtum ist vergangen und vergessen, manches ist erhalten geblieben und neue Elemente sind hinzugekommen. (Von Joachim Reso)


Ihre Meinung ist gefragt!

Die gesamte MAZ-Ausgabe im Archiv

Fläming Echo: gestern, vorgestern, vor drei Tagen,
Potsdamer Tageszeitung: gestern, vorgestern, vor drei Tagen,
Brandenburger Kurier: gestern, vorgestern, vor drei Tagen,

Arztsuche für Brandenburg

Wonach suchen Sie? Wo?
Name, Symptom oder Fachgebiet Ort oder PLZ z.B. Potsdam oder 16816

Aktuelle Angebote aus Ihrer Region

MAZonline on Facebook

Urlaubsreise schon gebucht?

Abstimmung



Stimme abschicken
» Zum Ergebnis
» Alle Abstimmungen

Angebot für Sportvereine!

Vereinsnachrichten jetzt selbst auf Brandenburgs besten Seiten online bringen! Bei Interesse:
» Mail an die Online-Redaktion