MAZAR-E-SHARIF - Ziesar ist weit. Oder Afghanistan ist weit. Es liegt im Auge des Beschauers. Mazar-e-Sharif (MES) ist einer der Bundeswehrstandorte in diesem Land und bildet für den Militärseelsorger und katholischen Pfarrer Andreas Ginzel derzeit den Arbeits- und Lebensmittelpunkt.
Ginzel lebt üblicherweise in Ziesar im Pfarrhaus unweit der Burg. Dort kennt man ihn, obwohl er nicht Gemeindepfarrer ist. Er arbeitet auch in Deutschland für die Bundeswehr, vorrangig im sachsen-anhaltinischen Genthin. Die Arbeitszeiten bei der Bundeswehr sind in der Regel freundlich, was bedeutet, ein Pfarrer hat im Gegensatz zu fast allen anderen Kollegen von Freitagmittag bis Sonntagabend frei. Diese Zeit verbringt er – beinahe ehrenamtlich – in seiner Gemeinde, führt Gottesdienste, Hochzeiten und Taufen durch, für die er nicht unbedingt zuständig ist.
Auf seine Zuwendung müssen Ziesars Katholiken derzeit verzichten. Noch bis Mitte März kümmert sich Ginzel zusammen mit einem evangelischen Kollegen um zweieinhalb der viereinhalb Tausend in Afghanistan stationierten deutschen Soldaten: „Wir begleiten Menschen, es wäre kein gutes Zeichen, wenn wir jetzt, wo es gefährlicher wird, wegblieben.“ Nach Kabul und Kundus ist es jetzt sein dritter Aufenthalt im Land.
„Angst?“ Nein, Angst habe er keine, so Ginzel. Dass die Lieder für seine Beerdigung feststünden, erzählt er nur am Rande. Im Einsatz denke er nicht an die Gefahr. Schließlich ginge es genau darum, für die Soldaten als Mensch da zu sein, menschliche Nähe zu ermöglichen. Für viele kann er Halt bieten. Die Soldaten glauben gern, dass ihnen wenig passieren könne, wenn der Pfarrer dabei sei. Dabei will er sich nicht aufdrängen. Sein täglich Brot sah Ginzel vor seiner Abreise darin, ständig durch das Lager zu laufen, Leute zu besuchen und immer Ansprechpartner zu sein. Die Weihnachtszeit ist eine besondere, in einem Bundeswehrlager erst recht. Ginzel und sein Kollege haben einen lebendigen Adventskalender gestaltet und an jedem Tag „das Türchen“ zu einem anderen Bereich geöffnet.
Schließlich weiß bei 2500 Soldaten kaum jemand, was der andere tut. Zum vierten Advent gab es über drei Tage einen Weihnachtsmarkt mit sehr deutschen Speisen und Getränken. Kakao, Glühwein und Würstchen „gingen“ extrem gut. Heute gibt es in MES vier Gottesdienste, zwei mit einem Krippenspiel und zwei in einer kleinen Feldlagerkirche mit dem schönen Namen „Haus Benedikt“. Ginzel hat alles mit vorbereitet, ist aber nicht dabei. Er verbringt den Heiligen Abend im Luftwaffenstützpunkt Termez in Usbekistan, seinem zweiten Zuständigkeitsbereich. Seine katholische Weihnachtsmesse in MES wird es erst am Sonntag geben. (Von Heike Schulze)