BELZIG - Nur noch wer eine Grüne Plakette an der Windschutzscheibe vorweisen kann, darf ab 1. Januar das Zentrum der deutschen Hauptstadt befahren. Praktisch kein Problem für benzinbetriebene Fahrzeuge.
Von dem gerichtlich jüngst bestätigten, seit 1. Januar 2008 in Berlin gültigen Fahrverbot zum Schutz vor Feinstaubbelastungen sind vor allem Autos mit Dieselmotoren betroffen. Sie sind an den gelben und roten Plaketten zu erkennen und stehen vorwiegend in den Fuhrparks von Gewerbetreibenden in der Metropole und im Umland.
Wer eine rote Kennzeichnung hat, wird mit seinem Auto nie wieder in die durch den S-Bahn-Ring begrenzte Zone fahren dürfen. Für ihn sind der Zoologische Garten und der Alexanderplatz ebenso tabu wie Kreuzberg und Friedrichshain.
Besitzer von Fahrzeugen mit einer gelben Plakette haben noch eine Chance: Sie können ihr Fahrzeug mit einem „Diesel-Kat“ nachrüsten lassen. Die Kosten variieren je nach Automarke und beginnen mit etwa 1000 Euro. Noch bis zum Jahresende wird der Umbau mit 330 Euro vom Staat gefördert. Allerdings sind bei weitem nicht für alle Modelle die Nachrüstsätze lieferbar, wie aus den Werkstätten im Landkreis Potsdam-Mittelmark zu erfahren ist.
„Partikelfilter für VW-Transporter gibt es aktuell nicht“, sagt Dirk Borgwardt. Der KFZ-Meister aus Damelang berichtet vom großen Interesse der Kunden in den vergangenen Wochen. Aber: „Wer langfristig vorgebeugt hat, bei dem gab es weder Lieferengpässe noch Zeitprobleme.“
Landwirt Volker Rottstock aus Deutsch Bork ist Direktvermarkter und kann seine Perspektive schon darstellen. „Ich hab’ vier Kunden in der Berliner Innenstadt verloren – alles Bio-Läden, die ich mit meinem Lastwagen bald nicht mehr bedienen kann“, sagt der Bio-Bauer.
Erich Kirschke aus Wiesenburg verkauft seinen Mercedes-Benz-Sprinter-Transporter. Das ihm lieb gewordene Gefährt hat immerhin die stolze Laufleistung von 945 000 Kilometer auf dem Tacho. „Die Million wird er nicht mehr schaffen“, bedauert er. „Ich habe mir jetzt einen gebrauchten Wagen gekauft, der zumindest nachrüstbar ist“, sagt der Transportunternehmer. Als solcher ist er in ganz Deutschland unterwegs und in den Großstädten sind „Luftverschmutzer“ immer häufiger ausgesperrt. „In Hannover gibt es schon eine Umweltzone, Leipzig will demnächst folgen“ weiß Erich Kirschke zu berichten. „Damit bremst die Politik viele Gewerbetreibende aus“, ist er überzeugt. (Von Andreas Koska)