NEUSEDDIN - Es mussten Jahre vergehen, bevor die derzeit knapp 50 Mitglieder des Vereins „Germany–Ostafrika“ in Neuseddin die ersten drei Container mit Baumaterial und -maschinen für das geplante Berufsausbildungszentrum in Mombasa auf die Reise nach Kenia schicken konnten. Pläne wurden erarbeitet, die Grundausstattung zusammengetragen und vor allem behördliche Hürden überwunden. Auf etwa 40 Hektar kenianischem Staatsland soll das „Polytechnikum ’Friedrich List’“ für etwa 100 Jugendliche entstehen, die in einer dreijährigen Lehre nach den Lehrplänen der Handwerkskammer im Land Brandenburg in handwerklichen Berufen ausgebildet werden. Dabei sollen deutsche Handwerksmeister den praktischen Teil der Ausbildung übernehmen, während englischsprachige Lehrer den jungen Kenianern die Theorie vermitteln.
„Alle bisher Beteiligten an diesem Projekt haben ausschließlich ehrenamtlich für uns gearbeitet“, sagt Vereinsvorsitzender Klaus Liebsch dankbar. Die Statik für die Ausbildungsstätte haben Mitarbeiter der Technischen Universität Berlin berechnet. Regionale Handwerksfirmen, aber auch namhafte Hersteller spendeten alles, was das Ausbildungszentrum braucht. Nun wartet in den Lagern des Vereins die komplette Grundausstattung – vom Seifenspender bis zu Werkstattmaschinen – auf ihren Abtransport nach Afrika.
Rund 4185 Euro kostet die Überfahrt für die ersten drei Container, die dieser Tage ihren Weg nach Kenia antraten. Übernommen hat die Kosten die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Für weitere Hilfstransporte braucht der Verein aber ebenso dringend Geld. Die großen Hilfsorganisationen in Deutschland, die gerade in der Weihnachtszeit auf die Tränendrüsen der Menschen drückten, selbst aber in Nobelkarossen zu den Wohltätigkeitsveranstaltungen führen, hätten eine Unterstützung abgelehnt, so Liebsch verbittert. Auch Günter Jauch, in dessen Sendung die Vereinsmitglieder gern einmal ihr Vorhaben öffentlich vorgestellt hätten, hat auf die entsprechende Anfrage bislang nicht reagiert.
In zwei Bauabschnitten will der Verein sein Berufsausbildungszentrum errichten. Dafür wollen die Neuseddiner Fördermittel beantragen. Zunächst sollen die Berufsschule, eine Kfz-Werkstatt, die Büro- und Sozialräume sowie das Internat gebaut werden. Sobald Geld zur Verfügung steht, könnte dieser Teil nach einem halben Jahr fertig sein, meint Liebsch. Der zweite Abschnitt mit Tischlerei, Metallbauwerkstatt und Werkzeugbau ließe sich vielleicht schon aus Erlösen der Kfz-Werkstatt mitfinanzieren, hofft der Metallbaumeister. (Von Heinz Helwig)