POTSDAM / NAUENER VORSTADT - Man könnte meinen, dass Potsdam seinen Status als wohlhabende Stadt pflegen will. Der Gegenstand, der im zu Ende gehenden Jahr in der Stadt am häufigsten verloren oder vergessen wurde, ist die gute alte Geldbörse. 551 Stück wurden im Fundbüro abgegeben. Insgesamt haben dessen Mitarbeiter knapp 2900 Fundsachen entgegengenommen.
Sylvia Rissmann arbeitet seit 1991 in den Katakomben des Stadthauses. Sie kennt viele Geschichten von Verlust und Wiederfinden. „Männer sind meist sehr aufgeregt, wenn sie wegen verlorener Eheringe bei uns anrufen“, sagt sie. „Oft sollen wir noch am Telefon klären, ob die abgegeben Ringe ihre sind. Da helfen Gravuren sehr.“ Wenn sich hingegen ein Schlüsselverlierer meldet, muss Rissmann ihn ins Stadthaus bitten: „Weil die Verwechslungsgefahr zu groß ist, muss er sich die schon selber aus unserer großen Kiste suchen.“
Für die Fundbüro-Mitarbeiterin war 2009 ein normales Jahr. „Die Zahl der Fundsachen weicht selten stark von den Vorjahren ab.“ Zum Schmunzeln bringen sie seltsame Fundstücke aber noch immer. In den letzten zwölf Monaten stachen vier Pferdesättel hervor, die man direkt neben einem Reiterhof gefunden hatte, ohne dass die dorthin gehörten. Weil nicht alle ganz neu waren, vermutet Rissmann, dass sie bequem entsorgt werden sollten. Immerhin war ihr Fundort ungewöhnlich: Die meisten Gegenstände werden in Bussen und Bahnen vergessen, gefolgt von Einkaufszentren.
Was geschieht mit den vielen Gegenständen, die in Regalen oder Kisten lagern? Nur etwa jeder achte wird vom Besitzer wieder abgeholt. 2009 geschah das 360 Mal. Wesentlich mehr Fundstücke wurden nach mindestens einem halben Jahr Aufbewahrungszeit versteigert, nämlich rund 750. „Wir haben mit den Auktionen gute Erfahrungen gemacht“, sagt Kristina Trilk, Leiterin des Bürgerservices. Bei der letzten, der immerhin bereits elften, wurden alle per Internet angebotenen Gegenstände versteigert und brachten 1500 Euro ein. Bei etwa drei Auktionen pro Jahr wandern so zwischen 3000 und 4000 Euro ins Stadtsäckel.
Die Geschichte vom glücklichsten Wiederfinden 2009 handelt von einem Kleid. „Eine Schauspielerin trug es wohl für Minna von Barnhelm“, erinnert sich Rissmann. Leider wusste sie nicht, wie es weggekommen war. Es tauchte erst wieder auf, als die Aufführungen vorüber waren, doch die Darstellerin war glücklich: Es war ihr eigenes.
INFO Fundbüro beim Bürgerservice der Stadtverwaltung, 2891587 (Von Sebastian Scholze)