ZEUDEN - Ausgerechnet vor Weihnachten erreichte die Abnehmer in rund 130 Haushalten im Versorgungsbebiet des Wasserwerkes Zeuden eine beunruhigende Nachricht. Einmal mehr forderte der Wasser- und Abwasserzweckverband Jüterbog-Fläming (WAZ) sie mit Handzetteln dazu auf, als Lebensmittel verwendetes Wasser vor Gebrauch zwingend mindestens drei Minuten abzukochen.
Der Grund: In dem in Zeuden, Pflügkuff und Lobbese gelieferten Trinkwasser waren Enterokokken-Bakterien aufgetreten. Das ergab eine regelmäßige Untersuchung am 21. Dezember. Sie erfolgt alle drei Monate turnusgemäß. „Inzwischen sind das Abkochgebot und die Desinfektion wieder aufgehoben. Die Chlorung zur Desinfektion erfolgte mit Natronbleichlauge“, sagte Falk Kubitza auf Anfrage. Der Ingenieur ist für die Wasserwerke des WAZ zuständig. „Die Zeudener Proben vom 28. Dezember sind in Ordnung gewesen“, sagt er.
„Erst im Oktober hatten wir solche Zettel bekommen“, erzählt der Lobbeser Ortsvorsteher Walter Würfel. „Die Leute sind ziemlich verunsichert. Wir wollen endlich wissen, was die Ursache ist.“
Die wiederholten Probleme im Zeudener Wasserwerk bestätigt Kubitza. „Die zwei Brunnen fallen abwechselnd mit Verunreinigungen auf.“ Bereits im Oktober 2007 berichtete die MAZ von Escherichia-Coli-Bakterien, die im Zeudener Wasser aufgetreten waren. Sie kommen ansonsten im menschlichen und tierischen Darm vor. Damals war auch das Wasserwerk in Danna (Teltow-Fläming) betroffen. Aus ihm werden Danna, Eckmannsdorf, Wergzahna und Schönefeld versorgt. Diese Förderanlage stehe kurz vor der Ablösung. Eine Überleitung von Feldheim gehe demnächst in Betrieb, so Kubitza.
Dies ist seit Jahren auch für die Region um Zeuden geplant. Der aktuelle Wirtschaftsplan des WAZ sieht die Anbindung nach Feldheim für die nächsten zwei Jahre aber nicht vor. In Absprache mit dem Gesundheitsamt der Kreisverwaltung und dem Verband sollen alternative Möglichkeiten zur Desinfektion des Wassers erörtert werden. Am 5. Januar sei eine mikrobiologische Nachkontrolle und am 20. Januar die jährliche Untersuchung mit 90 Parametern vorgesehen, sagt Kubitza. Die Ursache für die häufigen Verunreinigungen bleiben für ihn „ein kniffliges Problem“. Die mechanische Reinigung eines Brunnens und eine Kamerabefahrung hätten keine Anhaltspunkte ergeben. Auch die Reinigung des 100 Kubikmeter fassenden Erdbehälters sei erfolglos geblieben. Womöglich komme der Eintrag in die Brunnen von außen aus undichten Fäkal-Sammelgruben im Ort oder von der Landwirtschaft, mutmaßt Kubitza. „Aufschluss über die Anströmrichtung geben können aber nur hydrogeologische Untersuchungen“, sagt der Ingenieur.
Im Bereich des WAZ traten Bakterien bereits häufiger auf. „Nach Inkrafttreten der neuen Trinkwasserverordnung im Jahr 2003 mit veränderten Analyseverfahren hatten wir mehrere Fälle“, räumt der Techniker ein. So fielen im Jahr 2005 zwei Förderstellen – in Danna und in Blönsdorf – mit erhöhten Werten auf. 2007 wurden in Danna und Zeuden Keime in Speicherbehältern festgestellt. (Von Thomas Wachs)