WARSCHAU - „Wir wollen die deutsch-polnische Freundschaft vertiefen, ungeachtet der Vergangenheit. Was für uns zählt, ist die Zukunft unserer Kinder und Enkel“, sprudelte gestern Polens Deutschlandbeauftragter Wladyslaw Bartoszewski (87) in der für ihn typischen Geschwindigkeit heraus. Cornelia Pieper (50/FDP), die neue Koordinatorin für die deutsch-polnische Zusammenarbeit, stand atemlos neben ihm. Sie hatte kaum Schritt halten können, als Bartoszewski durch die Gänge des Ministerpräsidentenamtes in Warschau stürmte. Sie versicherte, dass CDU und FDP die deutsch-polnischen Beziehungen auf die Ebene des deutsch-französischen Verhältnisses heben wollten und dies sogar im Koalitionsvertrag festgeschrieben hätten.
Daher gebe es keine Zweifel, wenn es um die Haltung der Bundesregierung zu den Forderungen des Bundes der Vertriebenen und dessen Vorsitzender Erika Steinbach gehe. „Beim geplanten Museum ,Flucht, Vertreibung, Versöhnung' bleibt der zentrale Maßstab die Versöhnung. Wir werden nichts tun, was dem zuwiderläuft“, so die FDP-Politikerin. Der ehemalige Auschwitzhäftling und zweimalige Außenminister Polens hingegen erinnerte an das ,Gentlemen's Agreement' zwischen den beiden Regierungen. „Wir haben unseren Teil der Abmachung eingehalten und alle germanophoben Politiker von ihren Posten entfernt. Wir vertrauen voll und ganz der deutschen Regierung, dass auch sie zu ihrem Wort steht.“ Namen seien übrigens weder damals noch heute gefallen.
Dass auf die Deutsche Bahn oder die Bundesregierung neue Schadenersatzforderungen zukämen, wollte Bartoszewski aber nicht ausschließen. Vor wenigen Tagen appellierten polnische NS-Opfer an die Deutsche Bahn, sich ihrer Mitverantwortung für die Deportation von Juden und Polen in die deutschen Konzentrationslager zu stellen und einen Hilfsfonds für die Überlebenden einzurichten. (Von Gabriele Lesser)