POTSDAM / Babelsberg/SANSSOUCI - Der Werbefilm, den Universitätspräsidentin Sabine Kunst am Ende der offiziellen Veranstaltung dem Publikum noch unbedingt zeigen wollte, wirkte wie Hohn angesichts der turbulenten Geschehnisse des Abends. Zufriedene Studenten lächelten von der Leinwand, Professoren schwärmten von der „Exzellenz der Lehre“, während sich vor dem Gebäude am Campus Griebnitzsee ein Löschzug der Feuerwehr einfand und das Kreischen eines von den Studenten heraufbeschworenen Feueralarms das ganze Gelände durchdrang. Kurz nach 17 Uhr gestern Nachmittag hatte das Chaos begonnen, das mit einem Polizeieinsatz am Neuen Palais gegen 19 Uhr enden sollte.
Die Ahnung, dass etwas passieren würde, lag schon zu Beginn des Neujahrsempfangs in der Luft, zu dem die Universität traditionell geladen hatte. Unter den Gästen befanden sich nicht nur Bildungsministerin Martina Münch (SPD) und Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), sondern auch eine Reihe revoltierender Studenten, „Besetzer“, wie Uni-Sprecherin Birgit Mangelsdorf sie nannte.
Diese sorgten für Unruhe, indem sie die Rede von Präsidentin Kunst, die ein „schwungvolles Jahr“ einläuten sollte, mit kleinen Zwischenrufen, Klatschen und Klopfen kommentierten, bei Ministerin Münchs Festansprache etwas forscher wurden – und dann selbst zum Mikrofon griffen. Eigentlich hatten an dieser Stelle besonders verdiente Studenten, Sportler und Mitarbeiter geehrt werden sollen. Für Alejandro Gonzales Villar beispielsweise, einen spanischen Kommilitonen, waren die Eltern extra aus der Heimat angereist.
Die Protestierenden haben die „Prestigeveranstaltung“ stören wollen, erklärten zwei Vertreterinnen des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) dem Publikum. „Eisig“ sei das Klima an der Universität, sagten sie ruhig, die Studienbedingungen seien schlecht. Der Druck nehme zu, die Solidarität kontinuierlich ab. Ein Teil des älteren Publikums applaudierte.
Die Stimmung kippte mit der zweiten Rede, als zwei Studenten die Besetzung der Rektoratsräume im Universitätskomplex am Neuen Palais zeitgleich zum Empfang in Babelsberg bekannt gaben. „Wir werden den Kampf für freie und gerechte Bildung uneingeschränkt fortführen“, riefen sie. Danach gellte der Feueralarm durchs Haus.
Man habe sich „veralbert“ gefühlt, sagte ein Sprecher der Studenten später gegenüber der MAZ, „die Basis für einen Dialog war nicht mehr gegeben“. Vor der Räumung des Audimax habe die Universitätsleitung andere Räume für die studentische Protestarbeit zugesagt, das sei aber nicht in der versprochenen Form passiert, so der Studentensprecher. Allerdings hatte die Unileitung diese Zusage an die Freigabe des Audimax bis zum 22. Dezember geknüpft; eine Frist, die die Studenten hatten verstreichen lassen.
Es sei von weiteren Aktionen auszugehen, so der Sprecher der Studenten. Allerdings trete man nicht mehr in der Gruppe auf. Nicht jeder sei mit der Aktion am gestrigen Abend einverstanden gewesen. Nach Androhung von Strafanzeigen und einer Zwangsräumung durch die Polizei verließen die Studenten das Gebäude. (Von Eva-Maria Träger)