Eigentlich hätte ich ja keine Angst haben müssen. Meine Gesangslehrerin sagt mir immer, wie schön ich singen kann und dass ich gewaltige Fortschritte mache. Ich begleite mich selbst auf Klavier und Gitarre, was ich beides schon sehr gut beherrsche. Stücke wie „Love Story“ von Taylor Swift oder Milows „You don’t know“ klingen dann fast wie die Originale. Aber: immer diese Selbstzweifel! Vor dreihundert Leuten zu spielen, ist dann eben doch etwas anderes, als zu Hause im stillen Kämmerlein ein bisschen herumzuklimpern. Jetzt neulich jedenfalls, als ich in einer fremden Stadt nahe Magdeburg mit meiner Freundin die Bühne betrat und die vielen Menschen sah, wurde mir doch anders. Würde unser Auftritt den Zuschauern gefallen? Bühnenerfahrungen habe ich schon seit meiner Kindheit, aber weshalb war ich so aufgeregt? Und meine Freundin blieb ganz cool.
Alle Augen waren auf mich gerichtet. Meine Hände zitterten und waren trotz der Hitze eiskalt. Die Musik begann zu spielen, als hätte ich damit nichts zu tun. Ich atmete noch einmal tief durch und sang dann den ersten Ton. Das war gar nicht so schlimm, wie ich die ganze Zeit gedacht hatte! Aufregung und Angst schwanden, auch schwierige Stellen meisterte ich ohne Probleme – und den Leuten gefiel es. Was für ein tolles Gefühl! Strahlend verließen wir die Bühne und bekamen sogar noch kleine Geschenke, die den Tag dann perfekt machten.
Es ist komisch: Die Aufregung ist unangenehm, aber sie steigert meine Leistung. Ein bisschen weniger dürfte es in Zukunft aber ruhig sein. Ich werde ab jetzt noch mehr üben, selbstbewusstes Auftreten kommt dann ganz von allein. Ich freue mich schon auf den nächsten Auftritt, und wer weiß: Vielleicht klappt’s ja irgendwann mit der Gesangskarriere? (Von Stephanie Rutz)