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21.01.2010

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AUSSTELLUNG: Viel Lob, aber auch Kritik

Großer Andrang bei Eröffnung der Schau „Demokratie – Jetzt oder nie!“

POTSDAM / INNENSTADT -  So viele Menschen kamen selten in die Gedenkstätte Lindenstraße 54/55 wie gestern zur Eröffnung der Ausstellung „Demokratie – Jetzt oder nie!“.

Oberbürgermeister Jann Jakobs erinnerte daran, dass er zur Wendezeit nur zwanzig Autominuten von der Gedenkstätte entfernt im Westteil Berlins gewohnt hat, aber trotzdem „ganz weit weg“. Wissenschaftsministerin Martina Münch sagte, sie erschauere immer noch beim Zynismus des Spitznamens „Lindenhotel“ für den ehemaligen Stasi-Knast. Die Geschäftsführerin der Bundesstiftung Aufarbeitung, Anna Kaminsky, wandte sich in ihrer Rede direkt an jene Zeitzeugen, die die Folgen des Stasiterrors am eigenen Leib erfahren mussten. Die Ausstellung des Kuratoren-Teams um Gabriele Schnell lobte sie als „hervorragende Arbeit“, mahnte aber auch an, dass es in der Gedenkstätte noch keinen ständigen Ansprechpartner gebe.

Als letzte Rednerin sprach Ute Bankwitz, Vorsitzende des Bürgerbündnis und Aktivistin bereits im Vorfeld der Wende. Ihre damals 9-jährige Tochter habe 1989 ihre Mutter oft vermisst. Trotzdem habe sich der Einsatz gelohnt. „Ja, und immer wieder ja!“ Bankwitz kritisierte in diesem Zusammenhang die rot-rote Landesregierung: Sie habe sich damals nicht engagiert, damit die SED-Nachfolgepartei wieder an die Macht kommt. Zur Demokratie gehöre aber auch, so etwas zu akzeptieren, es falle ihr aber sehr schwer, so Ute Bankwitz.

Im Vorfeld hatte Carola Stabe, Zeitzeugin und Argus-Gründungsmitglied, Kritik an der Schau geäußert. Die Ausstellung sei „zu sehr Hochglanz, zu wenig Originalmaterial“. Außerdem sagte sie, dass am 5. Dezember 1989 die Stasizentrale besetzt worden sei und nicht, wie im Flyer zur Schau behauptet, lediglich eine Besichtigungs- und Kontrollaktion stattgefunden habe. Manfred Kruczek, der am 5. Dezember bei der Aktion dabei war, sprach gestern in einer Erklärung ebenfalls von Besetzung und unterstützte die Position von Stabe. Kuratorin Gabriele Schnell sagte, für sie sei eine Kontrollaktion mehr als nur eine bloße Besetzung. Auf Exponate verzichte die Ausstellung deswegen, weil es außer Papier und zwei, drei Transparenten kaum etwas gebe. (Von Christoph Seyfert)


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