ZOSSEN - Ein schreckliches Bild bot sich gestern Passanten in der Zossener Kirchstraße, wo noch immer beißender Brandgeruch in der Luft liegt. Wo in der Nacht zum Sonnabend rund 90 Feuerwehrleute der Zossener Wehren bei klirrender Kälte mit den heißen Flammen kämpften, die aus der alten DDR-Baracke schlugen, hängen nun Eiszapfen von den verkohlten Resten des als Haus der Demokratie erst im September 2009 eröffneten Objektes. Geschätzter Schaden, den das aus bislang noch ungeklärter Ursache ausgebrochene Feuer anrichtete: rund 200 000 Euro.
Foto: Fred Hasselmann
Nicht nur Jörg Wanke, Sprecher der Bürgerinitiative „Zossen zeigt Gesicht“, die in dem Haus – Eigentümer ist die Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (SWFG) des Landkreises Teltow-Fläming – vor Monaten ihre Projektarbeit aufnahm, ist entsetzt. Nur Stunden vor dem Ausbruch des Feuers zuvor hatte man erst Material für eine neue Ausstellung erhalten, das nun ebenso vernichtet wurde wie die seit September 2009 laufende Exposition zum jüdischen Leben in Zossen. Außerdem wurden jede Menge Bücher, Computertechnik, Büromobiliar und 380 Quadratmeter Laminat, das demnächst verlegt werden sollte, Opfer der Flammen. Allein der Inventarschaden wird auf 20 000 Euro geschätzt.
Wanke selbst hofft – so sagte er gestern der MAZ –, dass ein Defekt Auslöser des Feuers war. Würde sich allerdings der noch in der Nacht auch von Landrat Peer Giesecke (SPD) spontan geäußerte Verdacht bestätigen, dass sich rechtsextreme Kräfte als Brandstifter betätigt haben, wäre dies eine neue, nicht hinnehmbare Dimension.
Tatsächlich wurden kurz nach Eintreffen der ersten Feuerwehren auch stadtbekannte Vertreter der rechten Szene gesichtet, die wenig später von der Polizei auf der benachbarten Wache vernommen worden sein sollen. Inzwischen haben sich die so genannten nationalen Sozialisten in einem Schreiben „von diesem Kapitalverbrechen“ distanziert“. Wie ein Sprecher der Polizei am Wochenende sagte, ermittle man „in alle Richtungen“. Es sei weder ein technischer Defekt auszuschließen, noch Brandstiftung aus politischen Motiven. Spezialisten des Landeskriminalamts hatten am Sonnabend den ganzen Tag über den Brandort nach verwertbaren Spuren und Hinweisen auf die Ursache des Feuers abgesucht.
Auch Zossens Bürgermeisterin Michaela Schreiber (Plan B) war noch in der Nacht vor Ort und ließ sich von Stadtbrandmeister Manfred Marek die Situation erläutern. „Das ist wirklich übel“, so ihre erste Reaktion. Einigkeit herrschte unter allen Betroffenen, dass die Ursache des Feuers so schnell wie möglich ermittelt werden müsse, um nicht weiteren Spekulationen Vorschub zu leisten. Landrat Giesecke, der sichtlich betroffen von der Nachricht die Situation als „Katastrophe“ bezeichnet hatte, traf als Vertreter des Eigentümers des Barackenbaus schließlich gemeinsam mit dem Einsatzleiter die Entscheidung, das nicht mehr zu rettende Objekt – Nutzfläche 450 Quadratmeter – kontrolliert abbrennen zu lassen. Der Einsatz der Kameraden aus Zossen und den umliegenden Orten dauerte bis in die frühen Morgenstunden.
Unterdessen hat die von dem verheerenden Feuer betroffene Bürgerinitiative erste Solidaritätsbekundungen und Unterstützung von politischer Seite erhalten. So rufen beispielsweise die Bündnisgrünen zu Spenden auf. „Gerade jetzt heißt es um so mehr: Gesicht zeigen“, so Annedore Brüske-Dierker, Vorsitzende des bündnisgrünen Kreisverbandes Mittelmark-Fläming. Bettina Lugk, stellvertretende Vorsitzende der Sozialdemokraten im Landkreis Teltow-Fläming, erklärte gestern, dass man alles tun werde, „um die Akteure der Demokratie vor Ort zu unterstützen und mit dafür zu sorgen, dass sie möglichst bald wieder ein Dach über dem Kopf haben und ihre Arbeit gegen rechtextremistische und faschistische Umtriebe fortsetzen können“.
Die bündnisgrüne Bundestagabgeordnete Cornelia Behm zeigte sich erschüttert von dem Ereignis in Zossen. Sie habe die Arbeit der Bürgerinitiative – vor allem ihr Engagement gegen Rechtsextremismus – immer geachtet und unterstützt. Zwar sei jetzt ein Gebäude abgebrannt, aber das Haus der Demokratie soll und wird weiterleben, heißt es. (Von Fred Hasselmann)