Ob Peter Paffhausen den verarmenden Scheichs der Emirate auch die nicht mehr benötigten Niemeyer-Badentwürfe verkaufen will, verrät er nicht. Klar ist der Hauptzweck seiner Tour: einfach abhauen, abschalten, zum runden Geburtstag nicht da sein – der Geschäftsführer der Stadtwerke wird heute 60.
Geboren im rheinländischen Westerwald, sorgte er früh für Schlagzeilen. Dutzende Artikel aus der Neuß-Grevenbroicher Lokal-Zeitung und der Ruhr-Zeitung hat er liebevoll in Rechenhefte geklebt. Sie erzählen von einer Leichtathletik-Karriere zwischen dem Sechs-Meter-Weitsprung beim Schulsportfest und dem Landesmeistertitel bei den älteren Herren im 100-Meter-Sprint. Seine Spitzenleistung: 10,5 Sekunden, handgestoppt.
Der Mann hat aber auch Marathonqualitäten. Seit 1997 betreibt er in Brandenburgs Landeshauptstadt die Vereinigung der kommunalen Daseinsvorsorge unter einem Dach (siehe Info-Kasten). Zum Amtsantritt als Chef der Energieversorgung Potsdam erklärte er den Mitarbeitern: „Ihr braucht noch mehr Wessis, aber solche, die ohne Dschungelprämie kommen.“ Bis heute hat er bei der Energie und Wasser GmbH keine betriebsbedingte Kündigung ausgesprochen, hält ihm Betriebsratschef Jörg Sommer zugute.
Paffhausens größter Coup war der Rückkauf des Wasserbetriebes von der privaten Eurawasser. Das Tochterunternehmen von Thyssen und Lyonnaise des Eaux hatte die Stadt angesichts eines riesigen Investitionsstaus verleitet, die Hälfte der Geschäftsanteile zu verkaufen. Der Köder: 82 Millionen Euro. Das böse Erwachen kam, als Eurawasser begann, das Geld über die Gebühren zurückzuholen. Der Vertrag bot dazu alle Freiräume. Als klar war, dass sich der Kubikmeter Trink- und Abwasser in zwei Jahren um 50 Prozent verteuern sollte, zog die Stadt die Reißleine. Paffhausen, Oberbürgermeister Matthias Platzeck und die Chefs der Fraktionen nutzten in Geheimbundmanier das Kleingedruckte im Vertrag. Zu den Details schweigen alle bis heute. Birgit Kreyer, die schon bei Mannesmann in Berlin Paffhausens Assistentin war und seit zehn Jahren seine Direktionsabteilung leitet, gibt von der Gesellschaftersitzung am 19. Juni 2000 nur preis: „Die Mappe mit den Unterschriften ging von einem zum nächsten, der Aktenkoffer wurde sofort versiegelt und mit Security zum Notar gebracht.“ Ein überrumpelter Eurawasser-Mann soll noch ausgerufen haben: „Das könnt ihr doch nicht machen!“ Dass der Potsdamer Wasserpreis dennoch der sechsthöchste in deutschen Großstädten ist, begründet Paffhausen auch mit der Millionen-Altlast von damals: Eurawasser hatte das Geld auf Rechnung des Wasserbetriebes gepumpt.
Einen gesunden Stadtkonzern zu führen, hat überall die gleiche Begleitmusik: Da die öffentlichen Kassen leer sind, wird man zum Wünsch-dir-was-Onkel der Politik. Das traurige Ende von Paffhausens Ex-Amtskollegen aus Neuruppin, der illegal Geld für den Fußballklub abgezweigt hatte, zeigt, welche Verlockungen und Grauzonen die Allianz aus Politik, Kommunalwirtschaft und Sport mit sich bringt. Peter Paffhausen haben die Versuche, großzügig zu sein, mehr Ärger als Ruhm und bisweilen den Ruf eingebracht, sich auf Kosten der Kunden eitel profilieren zu wollen. Dabei schließt Birgit Kreyer Eitelkeit bei ihm aus. Sie erinnert sich schmunzelnd, wie Paffhausen vom eigenen Wachschutz rüde gestellt wurde, als er nachts im Jogginganzug durch die Chefetage bei Mannesmann streifte. Dennoch: Der jungenhafte Elan, mit dem Hobby-Gitarrist Paffhausen seiner Lieblingsband ZZ Top über Jahre öffentlichkeitswirksam nachstellte, bis die Texas-Rocker endlich beim Stadtwerkefest spielten, die Unbefangenheit, mit der er selbst auf der Bühne musizierte, bedienten den Selbstdarsteller-Mythos. Dabei ist der Mann nur ein Freund von Win-win-Situationen. Die Potsdamer sollen beim Gratis-Festival Spaß haben, er selbst aber auch. Das sei besser, als die Werbegelder für bunte Image-Plakate zu verschleudern, sagt Paffhausen.
Meist folgt er Hilferufen. Ein enger Vertrauter beschreibt es so: „Erst kommt die Stadt als Gesellschafter mit einer nachdrücklichen Bitte, Paffhausen macht Kopfstände, und am Ende kriegt er dafür auf die Fresse.“ Das war so, als er im Jahr 2001 angesichts der Pleite der Schlössernacht-Veranstaltungsagentur Gross-Events auf Bitte des Oberbürgermeisters ein Rettungskonzept vorlegte. Zuletzt war er dann für die Stadtverordneten der Buh-Mann, weil er den Kollaps durch Verzicht auf 60 000 Euro verhindern und in der Not selbst als Veranstalter einspringen wollte.
Beim Spaßbad war es ähnlich. Als sich ein Privatinvestor als zu schmalbrüstig erwies, riefen PDS und CDU, jetzt müssten die Stadtwerke ran. Am Ende waren es die Linken, die den Entwurf des brasilianischen Kommunisten Oscar Niemeyer als zu teuer bekämpften, und es war CDU-Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns, der die Förderung verweigerte.
Im Beratungsraum rankelt der Gummibaum die schöne Entwurfszeichnung zu. „Man hätte das Bad für neun Millionen Euro eigenes Geld bauen können“, sagt Paffhausen wehmütig. Jetzt soll er 18 Millionen für einen „Schuhkarton“ ausgeben – vielleicht abzüglich der Dubai-Dollars. (Von Volkmar Klein)
Nur noch wenige Wochen, dann sind die Tage wieder länger als die Nächte. Der Abgesang des Winters wird am Himmel durch einen gut zu beobachtenden Wettlauf zwischen den Planeten Venus und Jupiter begleitet. Auch Mars und Saturn sind zunehmend besser zu sehen. Und man kann den Orionnebel genauer beobachten, ein Lieblingsobjekt der Hobby-Astronomen. Denn man schaut in einen „Kreißsaal“ für Sterne.
» weiter