LEHNITZ - Er strickt den roten Faden fürs alljährliche Programm der Lehnitzer Pappnasen. Er ist Bierbrummer, Moritatensänger, Moderator und fühlt sich „als Rampensau sehr wohl“. Er liebt den Humor und das kühle Bier.
Vor 17 Jahren kam Hubert Gabauer aus Bochum nach Oranienburg: „40 Jahre Ruhrpott, das musste dann mal reichen“, fand er, und traf im Märkischen „ebenso angenehme Zeitgenossen. Offen, geradlinig. Rau, aber herzlich“. So, wie er selbst, der Vater zweier erwachsener Kinder. Die Tochter Studienrätin in Herne, der Sohn lebt in Oranienburg, trommelt bei „Plekwek“ und den „Stout Scouts“.
Über Kollegen fand Gabauer Kontakt zu den Lehnitzer Karnevalisten. Das ist 15 Jahre her. Dabei scheint sein Hobby das Kontrastprogramm zum Beruf zu sein: Auch der Steuerrechtler findet im deutschen Steuerrecht „alles zum Schreien“. In diesem Jahr sind in der Lehnitzer Karnevalssession alle „Reif für die Insel“. Jeweils im Juni eines Jahres geht es in die Startlöcher fürs neue Programm. „Erst bei der Generalprobe sehen wir, was sich alle haben einfallen lassen.“ Gabauer moderiert die karnevalistische Mischung. Diesmal natürlich als „Freitag“ zusammen mit „Robinson“! Zusammen mit Siegfried Fünfhaus und Martin Spannemann nehmen sie als Moritatensänger aktuelle Politik auf die Schippe. Und das durchaus ernst. In diesem Jahr kritisieren sie „die Zerstörung der Gesellschaft von innen. Familie findet nicht mehr statt“.
Mit der großen Gesangstruppe geht es anschließend vor allem um Klamauk, darum, „zu alten Schlagern und neuen Texten die Leute von den Stühlen zu holen“. Und auch das Ende der DDR ist zu feiern: auf einer kleinen Insel, die alte Genossen vom Geld aus dem EU-Artenschutzprogramm erworben und sich dort eine DDR im Modellbahnformat errichtet haben.
Übers Jahr beobachtet Hubert Gabauer die Menschen, ihren Alltag. Begebenheiten und flotte Sprüche geben später Anstöße für Texte und Sketche – „die sich auch noch reimen und zur Musik passen müssen“. Da funktioniert der Steuerfachmann schon mal den Bundestag zum Kaspertheater um, nimmt den Büroalltag aufs Korn oder spießt den Wahnsinn im Straßenverkehr auf. Er fühlt sich dem literarischen Karneval der Mainzer verbunden, verabscheut hingegen die billigen Witze Kölner Berufskarnevalisten: „Klar, wenn man 2,8 Promille auf dem Kessel hat, lacht man über alles.“
Sein Rezept für einen erfolgreichen Abend: „Bunte Kostüme, ein schönes Bühnenbild und eine gute Ausleuchtung sind die halbe Miete.“ Die andere Hälfte engagierte Redner, gute Texte, geübte Sänger und Tänzer. Allerdings müsse das Publikum auch wollen und mitmachen. Freitags ginge es bei Veranstaltungen erfahrungsgemäß ruhiger: Publikum wie Akteure kommen von der Arbeit und sind groggy. Sonnabends geht ganz anders die Post ab.
Wer es nachprüfen will: Für Sonnabend gibt es noch Restkarten ( 03301/20 82 81). (Von Heike Bergt)