Aussteigen! Die Kontrolleure verlassen die Straßenbahn an der Haltestelle Fouquéstraße mit zwei Studentinnen. Die beiden haben keinen Fahrschein. Ihre Semestertickets haben sie vergessen, sagen sie. Jetzt haben sie eine Woche Zeit, um ihre Karten am Servicecenter vorzuzeigen. Ansonsten müssen sie eine Strafe von 40 Euro zahlen, weil sie schwarzgefahren sind. Sieben Euro Bearbeitungsgebühr fallen aber auf jeden Fall an.
Colette P., Torsten P. und Karsten W. arbeiten bei einer Sicherheitsfirma. Sie gehören zu insgesamt zwölf Kontrolleuren, die auf den Bus- und Bahnlinien der Verkehrsbetriebe Brandenburg auf der Suche nach Schwarzfahrern sind. Sie sind ein eingespieltes Team. „Schwarzfahrer kommen aus allen Alters- und Berufsgruppen“, sagt Colette S. Schüler, Hartz-IV-Empfänger oder Bankangestellte würden gleich oft ohne Fahrschein erwischt. Den „bösen Jugendlichen“ gibt es nicht, sagt Colette S.
Die drei Kontrolleure mögen ihren Beruf. Er mache Spaß und man habe viel mit Menschen zu tun. „Wenn ich Leuten beim Aussteigen helfe, freuen die sich auch und sind dankbar“, sagt die Kontrolleurin. Allerdings sei der Beruf auch nicht immer ganz ungefährlich, denn manche Passagiere reagieren aggressiv auf Kontrollen. „Vor zwei Jahren wurde ich von einer Frau auf dem Nicolaiplatz zusammengeschlagen“, sagt Colette S. Wegen solcher Gefahren sind die Kontrolleure immer zu zweit oder zu dritt unterwegs.
Auch Walter B., der seit elf Jahren als ausgebildeter Kontrolleur arbeitet, kann einiges berichten. Vor einigen Jahren bekam eine Frau mittleren Alters einen Herzinfarkt in der Straßenbahn, der Notarzt wurde gerufen, und hinterher stellte sich heraus, dass die Frau den Infarkt nur vorgetäuscht hatte, um sich der Fahrscheinkontrolle zu entziehen. „Man darf kein Mitleid zeigen, so sehr es einem auch leid tut, wenn beispielsweise einer Frau gerade der Mann verstorben ist, und sie andere Dinge im Kopf hat als den Fahrschein“, sagt Walter B.: „Man darf keinen laufen lassen.“
An kalten Wintertagen werden weniger Schwarzfahrer erwischt. „Die sitzen jetzt lieber zu Hause im Warmen und legen die Füße hoch“, sagt Torsten P. Aber Fahrscheinvergesser oder Kunden mit abgelaufenem Monatsticket gebe es immer. Bis zum Ende des vergangenen Jahres konnten die Kontrolleure jeden Tag selbst entscheiden, auf welchen Linien sie kontrollieren. Doch seit vorletzter Woche kündigen die Verkehrsbetriebe täglich im Internet an, auf welcher Linie kontrolliert wird. Torsten P., der seit über elf Jahren nebenberuflich Fahrscheine prüft, kennt die Tricks für effektive Kontrollen. „Nicht bis zur Endhaltestelle fahren, sondern einige Stationen vorher aussteigen und die Gegenbahn nehmen. Denn wenn man in der Wendeschleife steht, sind die Schwarzfahrer gewarnt. Jeder von uns steigt in verschiedenen Türen ein, damit niemand rausspringen kann.“ (Von Florian Ricker und Rahel Strupp)