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30.01.2010

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BETRACHTUNG: Wie Misstrauen geschürt wird

Politiker und Verwaltungen können Berichterstattung nicht bestimmen – aber beeinflussen

In dieser Woche war es nicht einfach zu den gut unterrichteten Kreisen zu gehören. Das freilich ist – im Interesse der Leserschaft – stets das Ziel der MAZ-Lokalredaktion.

Die Linkspartei hat beispielsweise einen Strich durch die Rechnung gemacht. Voriges Wochenende hat sie den Parteitag des Kreisverbandes Potsdam-Mittelmark abgehalten und gar einen neuen Vorsitzenden gewählt. Weil aber „Persönliches“ beim Wechsel von Hans-Joachim Warnick zu Wolfgang Erlebach hätte zur Sprache kommen können, hätten es die Sozialisten dem Vernehmen nach vorgezogen, die Reporter nicht einzuladen und selbst Auskunft darüber zu geben, was sie für wichtig halten. Das ist nicht nur Politbüro-Mentalität, sondern macht selbstredend misstrauisch. Außerdem ist die sonst so offensive Medienabteilung damit auf das Niveau der Mitbewerber abgerutscht. Bei SPD-Unterbezirk oder FDP-Kreisverband Potsdam-Mittelmark ist die Pressearbeit für gewöhnlich – allerdings wegen offensichtlicher Unprofessionalität – null, bei Union und Bündnisgrünen kaum besser.

„Das ist nichts für die Zeitung!“, lautet ein Satz, der Journalisten häufig bei Anfragen in höheren Unternehmens- und Verwaltungskreisen entgegnet wird. Leider wissen gerade jene selten genug Bescheid, was öffentliches Interesse ist und wie sie dem zu begegnen haben. Dass etwa die – im Grundgesetz, Artikel 5, als frei garantierte – Berichterstattung (inklusive illustrierender Bilder) auch über Kinderbetreuungspersonal, -zeiten und -formen stattfindet, selbst wenn die Dinge noch in der Debatte sind, ist im Sinn der Sache. Meinungsbildung wird transparent; die Entscheidungsfindung kann beeinflusst werden. Das ist in der selbstbewussten Demokratie gewollt, in der ängstlichen Bürokratie freilich nicht. Bei (leitenden) Beamten schließt das nicht gerade schlechte Gehalt des öffentlichen Dienstes ohnehin die Lust und das Leid ein, hin und wieder mit und ohne Bild objektiv und subjektiv, positiv oder negativ in der Zeitung zu erscheinen.

Selbstverständlich findet nicht alles Platz in der Zeitung. Daher ist es – noch vor Recherche und Verfassen von Beiträgen – die tägliche Aufgabe der kleinen Lokalredaktion, die aktuellen und originellen Themen auszuwählen, sie einerseits klar und verständlich und andererseits abwechslungsreich und unterhaltsam ins Blatt zu bringen. Da wiederum sind Anregungen – auch aus Politik und Verwaltung – willkommen. R. G.


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