Die Amok-Drohung eines kurdischen Schülers per E-Mail 2009 an der Fontane-Schule verdeutlicht das Problem: die mangelnde Kommunikation zwischen Pädagogen und Eltern von Schülern mit Migrationshintergrund. Es werden mehr Schulsozialarbeiter gebraucht, die mit den kulturellen Hintergründen der Einwander vertraut sind und deren Muttersprache sprechen. Das sagte Julia Böselt-Krupkina, Beraterin beim Jugendmigrationsdienst des Internationalen Bundes, bei der jüngsten Sitzung des Migrantenbeirates. Außerdem wurde eine Art Elternstammtisch für Neuzugänge an den Schulen angeregt.
Im konkreten Fall wollte die Lehrerkonferenz das Problem durch Verweis des Neuntklässlers von der Schule lösen, berichtete Böselt. Dies zeige die Überforderung der Lehrer, besonders die islamische Kultur betreffend. „Die Mutter des Jungen spricht kein Deutsch, der Vater nur bedingt, sie gehen zu keiner Elternversammlung“, so Böselt. Für das vom Migrationsdienst verabredete Gespräch mit der kurdischen Familie wurde ein ehrenamtlicher Dolmetscher benötigt, doch weder das staatliche Schulamt noch der Fachbereich Bildung der Stadt wollten dafür aufkommen – für eine Aufwandsentschädigung von 25 Euro. So sprang die Ausländerbeauftragte Magdolna Grasnick ein, recherchierte weiter zum Thema. Die Kosten für Gebärdendolmetscher für Gehörlose würden übernommen, sagte sie. Bildungsstaatssekretär Jungkamp habe zugesichert, eine grundlegende Regelung zu befördern, so Grasnick. Oberbürgermeister Jann Jakobs hat dem Migrantenbeirat einen Fonds für außerordentliche Dolmetscherleistungen in Höhe von 5000 Euro in Aussicht gestellt (MAZ berichtete).
Verwalten wird den Etat Elona Müller. Die Sozialbeigeordnete stellte zunächst klar, dass im Fall der Kurden das Schulamt den Dolmetscher hätte bezahlen müssen. Für mehr und besser ausgebildete Schulsozialarbeiter sei kein Geld da, sagte sie. Der Fonds sei eine Möglichkeit, durch „Elternarbeit ein Stück Integration zu leisten“. Die Beigeordnete forderte zudem mehr „Eigeninitiative“ der Lehrer, Kontakte zu Zuwanderer-Eltern zu knüpfen und sie für die Schulthemen zu interessieren: „Das kann das Amt nicht leisten.“ Müller betonte jedoch einmal mehr, dass hier lebende Zuwanderer verpflichtet sind, Deutsch zu lernen: „Das ist in unserem Land die Amtssprache.“ (Von Carola Hein)