KLEINMACHNOW - Ebay veranstaltete am Wochenende eine Jobbörse für von der Entlassung bedrohte Angestellte. Das Unternehmen plant, in nächster Zeit etwa 400 Stellen abzubauen (MAZ berichtete).
Gut 200 Arbeitnehmer nahmen das Angebot wahr und informierten sich bei den etwa 20 ausstellenden Unternehmen und der Bundesagentur für Arbeit (BA) in einem Ebay-Nebengebäude im Europarc Dreilinden.
„Wir haben etwa 70 Stellen kleinerer Unternehmen im Repertoire“, erläutert BA-Sprecherin Isabel Wolling. Insgesamt würden auf der Messe rund 660 Arbeitsplätze angeboten. „Zur Arbeitnehmerpolitik von Ebay möchte ich mich nicht äußern. Es ist aber erfreulich, dass sich Ebay aktiv um die Zukunft der Mitarbeiter kümmert.“
Das Unternehmen, welches weltweit Milliardengewinne erwirtschaftet, plant die Konzentration des Europageschäftes am Standort Dublin. Von Dreilinden aus soll nur noch das Geschäft mit deutschen Kunden geleitet werden. „Wir haben in allen Ländern Europas heute gleiche Anforderungen von Kunden an die Mitarbeiter. Darum ist die Konzentration der Tätigkeiten auf einen Standort wesentlich effizienter“, sagt Nerses Chopurian. Der Sprecher des Unternehmens gab aber auch zu: „Geh’ ich super schlafen und fühle mich wohl? Nein. Man muss Entscheidungen jedoch so treffen, dass sie gut für das Unternehmen sind.“ Einige der gestrichenen Stellen würden auch durch externe Dienstleister ersetzt. „Wir werden aber nicht in dem Maße, in dem wir Personal abbauen, Aufträge auslagern“, beruhigte Chopurian. Auch werde ein hohes Servicelevel für die Dienstleister festgeschrieben.
Eine Reihe solcher Unternehmen war auch auf der Messe vertreten. „Wir sind positiv überrascht, es sind heute gute Kontakte mit den Bewerbern zustande gekommen“, beschreibt Thomas Koch vom Branchenprimus Manpower den Messeerfolg. „Ursprünglich haben wir Ebay mit Zeitarbeitern ausgestattet, die teilweise in eine feste Anstellung übernommen wurden.“ Sein Unternehmen biete nun viele Positionen in Berlin und Potsdam an, so dass kaum ein Interessent umziehen müsse.
Nicht so positiv sieht das die (noch) Ebay-Mitarbeiterin Sylvia Domack. Die Teltowerin, die wahrscheinlich von den Streichungen betroffen ist, hat bisher kein vergleichbares Jobangebot gefunden. „Bei ähnlicher Arbeit liegen die Gehälter der Personaldienstleister fast 40 Prozent unter meinem jetzigen Lohnniveau. Und da ich mir hier im Privaten schon etwas aufgebaut habe, kann ich mich nur in der Region umschauen.“ Auch ihre Kollegin Sylvia Rudolph kennt die Problematik. „Als Telefonistin ist natürlich ein Job zu finden. Die Mehrzahl der Betroffenen stammt aber aus dem Rechnungswesen und ist für diese Arbeit überqualifiziert. Weiterhin gibt es kaum berufliche Perspektiven, wenn man einmal in der Zeitarbeit steckt.“ Ähnlich sieht es auch der Betriebsratsvorsitzende von Ebay, Sascha Korschowski. Er steht der Jobmesse insgesamt eher skeptisch gegenüber: „Der Grundgedanke ist sicher positiv, man hätte aber andere Unternehmen auf die Messe bringen sollen. Ebay kennt die Profile der Arbeitnehmer genau und trotzdem gibt es hier kaum höherwertige Arbeitsplätze. Der Durchschnittslohn für die angebotenen Stellen liegt etwa bei acht Euro die Stunde.“
Am 10. Februar finden Gespräche zwischen Unternehmen und Betriebsrat über einen Sozialplan statt. Danach werden die Kündigungen schriftlich ausgesprochen. „Trotz allem ist Deutschland unser wichtigster Markt nach den USA. Und da wir das Deutschlandgeschäft in Dreilinden konzentrieren, sehe ich den Standort als sicher an“, so Nerses Chopurian.
Das Unternehmen hatte bei der Ansiedlung etwa zehn Millionen Euro Fördergelder erhalten. Chopurian: „Es wurden aber alle Bedingungen erfüllt, die an diese Gelder geknüpft waren.“ (Von Enrico Bellin)