STAHNSDORF - Das Vodafone-Callcenter im Stahnsdorfer „Greenpark“ steht offenbar auf der Kippe. Es verdichten sich die Gerüchte, dass der Standort aufgegeben werden könnte. Hintergrund ist ein Sparprogramm des Telefonkonzerns, das Vorstandschef Friedrich Joussen in einem Brief an die 15 000 Mitarbeiter jetzt konkretisierte.
Alle Bereiche sollen demnach unter den Gesichtspunkten von Effizienz, Kosten und Wachstum unter die Lupe genommen werden. Nun wird spekuliert, ob damit insbesondere die Callcenter gemeint sind. Genannt werden neben Stahnsdorf auch Standorte in Bautzen, Hannover, Ratingen und Stuttgart.
„Die ersten Andeutungen, dass das Callcenter in Stahnsdorf verlagert werden könnte, gab es bereits im Dezember des vergangenen Jahres“, bestätigte Bürgermeister Bernd Albers (Bürger für Bürger) auf Nachfrage. „Ich habe daraufhin Gespräche mit der Vodafone-Zentrale in Düsseldorf, mit Vertretern des Konzerns in Berlin und in Stahnsdorf geführt. Eine verbindliche Aussage zur Zukunft des Standorts gab es aber nicht.“
„Auf meine Frage, was Stahnsdorf tun könne, um das Callcenter am Ort zu halten, hieß es vom Konzern, dass die Gemeinde nicht ausschlaggebend sei“, so Albers weiter. Eine Reduktion des Steuer-Hebesatzes von derzeit 340 Punkten würde demnach nichts bringen, zumal Stahnsdorf damit noch unter dem Berliner Wert von 410 Punkten liege. Das Problem sei offenbar, dass Vodafone mit der 2008 erfolgten Übernahme von Arcor Liegenschaften in Berlin besitze, die nicht ausgelastet sind. Das Gebäude im Greenpark sei dagegen angemietet, koste also monatlich Geld. Nach Informationen dieser Zeitung läuft der Mietvertrag noch bis ins Jahr 2011.
Dass es eine „Verlagerung“ des Stahnsdorfer Callcenters geben könnte, ist auch der CDU nicht neu. „Wir haben vor längerer Zeit die Information erhalten, dass Vodafone die Kundenbetreuung konzentrieren und Standorte zusammenfassen will“, sagte der Sprecher des CDU-Ortsverbands, Daniel Mühlner, gestern.
Mühlner und Bürgermeister Albers sind sich einig, dass ein Weggang von Vodafone die Gemeinde finanziell „erheblich treffen würde“. Nach Informationen dieser Zeitung belaufen sich die Gewerbesteuern, die der Konzern jährlich an die Gemeinde abführt, je nach Ertragslage auf einen hohen fünfstelligen oder sogar sechsstelligen Euro-Betrag. Damit ist das Unternehmen mit seinen 630 Mitarbeitern einer der größten Steuerzahler in Stahnsdorf. „Ein Weggang würde Investitionen gefährden“, befürchtet Albers.
CDU-Sprecher Mühlner sagte: „Wir haben immer gesagt, dass die Gemeinde einen Fehler macht, wenn sie sich in zu starke Abhängigkeit von einzelnen Großunternehmen begibt.“
Vodafone-Sprecher Dirk Ebrecht wollte die Verlagerung des Stahnsdorfer Callcenters gestern nicht bestätigen. „Es gibt bislang keine Entscheidung des Konzerns über einzelne Standorte.“ Die Callcenter seien als Anlaufstellen für die Kunden für das Unternehmen wichtig. „Sie sind unser Aushängeschild.“ Allerdings seien sie „personal- und technikintensiv“ und damit ein „großer Kostenfaktor“.
Das Geschäft auf dem Mobilfunkmarkt sei härter geworden, die Margen seien enger, so Ebrecht. Deshalb gehöre es „zum täglichen Geschäft“, wenn die Strukturen im Konzern überprüft und gebenenfalls auch geändert würden. (Von Jürgen Stich)
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